Wir wollen Märkte machen – und keine Außenstelle des Finanzamtes werden!!!!

22. August 2026

 
Liebe Marktfreunde,
 
wir alle auf den Kunsthandwerkermärkten müssen uns auf das eigentliche Marktgeschäft konzentrieren können.
Wir sind Kunsthandwerker, Designer, Künstler und Veranstalter. Wir entwerfen, sägen, schmieden, nähen, töpfern, malen, organisieren, werben und bauen unsere Stände bei Wind und Wetter auf. Wir sind aber keine Steuerberater, Verpackungsexperten, Datenschutzbeauftragten oder ausgebildete Bürokratiefachkräfte!
 
Trotzdem verbringen wir immer mehr Zeit damit, Vorschriften zu verstehen, Formulare auszufüllen, Registrierungen vorzunehmen und Fristen zu überwachen.
 
Da gibt es das Verpackungsgesetz, das Verpackungsregister LUCID, Systembeteiligungen, Mengenmeldungen und möglicherweise noch kommunale Verpackungssteuern. Schon bei einer kleinen Tüte, einem Karton oder etwas Geschenkpapier stellt sich die Frage:
 
Muss ich das registrieren?
Wer hat die Verpackung bereits lizenziert?
Muss ich die Menge melden?
Brauche ich demnächst vielleicht noch eine Waage, um jedes Stück Geschenkpapier einzeln abzuwiegen?
 
Natürlich wollen auch wir Müll vermeiden und unsere Umwelt schützen. Viele Kunsthandwerker arbeiten seit Jahren nachhaltig, verwenden Materialien mehrfach und verpacken ihre Waren so sparsam wie möglich.
Aber Umweltschutz darf nicht bedeuten, dass ein kleiner Kunsthandwerker am Abend länger vor irgendwelchen Internetportalen sitzt, als er tagsüber an seiner Werkbank gearbeitet hat.
 
Und nun kommen auch noch die E-Rechnungen.
Eine Rechnung soll künftig nicht mehr einfach nur eine verständliche Rechnung sein. Nein, sie muss in einem bestimmten elektronischen Format erstellt, richtig übertragen, empfangen, verarbeitet und ordnungsgemäß aufbewahrt werden. XRechnung, ZUGFeRD, XML-Datei – schon die Namen klingen nicht gerade danach, als würden sie uns den Marktalltag erleichtern.
 
Viele von uns sind kleine Betriebe oder Einzelunternehmer. Manche schreiben im Monat nur wenige Rechnungen. Trotzdem sollen sie sich mit technischen Formaten und neuen Programmen beschäftigen, als würden sie die Buchhaltung eines internationalen Großkonzerns führen.
 
Wer künftig eine handgedrechselte Schale verkauft, sollte sich eigentlich darüber freuen dürfen, dass ein Kunde seine Arbeit schätzt. Stattdessen denkt er womöglich schon: „Hoffentlich war die Verpackung richtig registriert, die Rechnung maschinenlesbar und die Datei revisionssicher archiviert!“
 
So geht ein Stück von dem verloren, was unsere Märkte ausmacht: die Freude am Handwerk, die persönliche Begegnung und die Zeit für unsere Kunden. Bürokratie kostet nicht nur Geld. Sie kostet Zeit, Nerven und Kreativität.
 
Jede Stunde, die ein Kunsthandwerker vor einem Meldeportal verbringt, fehlt ihm in seiner Werkstatt. Jede Stunde, die ein Veranstalter neue Vorschriften studieren muss, fehlt bei der Werbung, der Ausstellerbetreuung und der Weiterentwicklung des Marktes.
 
Große Unternehmen beschäftigen dafür ganze Abteilungen. Wir kleinen Selbstständigen sitzen damit häufig allein am Küchentisch. Wir brauchen deshalb keine ständig neuen Pflichten, Fachbegriffe und digitalen Hürden. Wir brauchen verständliche Regeln, großzügige Ausnahmen für Kleinbetriebe und einfache, möglichst kostenlose Lösungen.
 
Vor allem brauchen wir wieder mehr Vertrauen in die Menschen, die ehrlich arbeiten und mit ihren eigenen Händen etwas schaffen.
 
Denn irgendwann müssen wir uns fragen: Wollen wir wirklich, dass unsere Kunsthandwerker kreativ arbeiten – oder sollen sie ihre Werkzeuge zur Seite legen und stattdessen Formulare gestalten?
 
Unsere Märkte leben nicht von Bürokratie. Sie leben von Ideen, Können, Mut, Persönlichkeit und ganz viel Herzblut. Lasst uns deshalb endlich wieder das tun, was wir am besten können: Märkte veranstalten, schöne Dinge erschaffen und Menschen damit eine Freude machen!
 
Die Bürokratie darf dabei eine Nebenrolle spielen – aber ganz bestimmt nicht länger die Hauptrolle.
Man könnte auch salopp fragen: “Leute in welchem Kino spielen wir inzwischen eigentlich.”
Auf dem Foto Schmied Jochen Schmidt