„Das Böse kann Menschen verletzen. Aber es darf uns nicht die Freude am Leben nehmen.“

27. Juli 2026

„Das Böse kann Menschen verletzen. Aber es darf uns nicht die Freude am Leben nehmen.“
Was hat das Attentat in Berlin mit uns zu tun?
 
Liebe Marktfreunde,
 
eigentlich wollte ich heute schreiben, was Ihr am nächsten Wochenende auf unserem Sommermarkt in Lübeck-Travemünde om 31. Jul i bis 02. August 26 auf dem Fährplatz erleben und kaufen könnt. Doch dann kamen die traurigen Nachrichten gestern Abend vom Attentat auf den Christopher Street Day in Berlin im Fernsehen und in den Nachrichten.
 
Und plötzlich waren alle anderen Themen unwichtig. Ich kenne die Menschen dort nicht. Wahrscheinlich werde ich ihre Namen nie erfahren. Und trotzdem beschäftigt mich dieses Ereignis. Warum?
 
Weil ich merke, dass solche Taten nicht nur die Opfer treffen. Sie treffen auch uns. Nicht körperlich. Aber in unserem Herzen. Ich denke an unsere Märkte in Hamburgs City auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz über ein Jahrzehnt. Ich denke an die großen Parkfeste in Bad Bevensen „KulturLustWandel“ oder an den „Historischen Jahrmarkt“ in Kornelimünster zusammen mit dem Circus Roncalli aus Köln oder an die ersten Jahren an die große “Trend” im Norderstedter Stadtpark.
 
Damals sind wir ganz selbstverständlich über Weihnachtsmärkte geschlendert, haben große Events oder Stadtfeste besucht oder als Veranstalter für tausende Menschen wie jetzt in Berlin für Freude und Abwechslung gesorgt. Wir haben uns auf das Schöne konzentriert- als Veranstalter, als Aussteller und als Besucher.
Heute ist das anders. Wenn unsere Kinder oder Enkel unterwegs sind, warten wir oft unbewusst darauf, dass das Handy klingelt. Nicht weil wir telefonieren möchten. Sondern weil wir hören wollen: „Ich bin gut angekommen.“ Früher war das selbstverständlich. Heute ist es ein kleiner Moment der Erleichterung.
 
Ich veranstalte seit über 4 Jahrzehnten große und kleine Kunsthandwerkermärkte oder themenbezogene mit unterschiedlichen Veranstaltern. Wenn morgens die ersten Besucher kommen, sehe ich Kinder mit einem Eis in der Hand, ältere Ehepaare Arm in Arm, Familien mit Kinderwagen und Menschen, die einfach einen schönen Tag verbringen oder sich etwas Besonderes leisten möchten. Genau das ist unsere Gesellschaft und unser Publikum. Menschen, die friedlich miteinander leben und ihre Lebensfreude mit anderen teilen wollen.
 
Genau deshalb erschüttern mich solche Nachrichten immer wieder sehr. Nicht, weil ich Angst haben möchte. Sondern weil ich nicht zulassen möchte, dass Angst unser Leben und unsere Märkte bestimmt. Denn wenn wir anfangen, Veranstaltungen zu meiden, Menschen zu misstrauen oder hinter jeder Ecke eine Gefahr zu vermuten, dann verlieren wir Stück für Stück unsere Freiheit.
 
Ich wünsche mir, dass wir wachsam bleiben. Aber ich wünsche mir genauso, dass wir uns unsere Menschlichkeit bewahren. Dass wir weiter lachen. Weiter Feste feiern. Weiter Märkte besuchen. Weiter miteinander reden. Denn das Böse kann Leben und Familien zerstören und Angst säen. Aber es darf niemals über unser Leben siegen. Unsere Freude, unsere Menschlichkeit und unser Miteinander dürfen wir ihm nicht überlassen.
 
Heute denke ich an die Opfer, ihre Familien und an alle Einsatzkräfte, die geholfen haben. Ihnen gilt mein Mitgefühl und mein Respekt. Ich wünsche mir, dass wir uns trotz allem unsere Offenheit, unseren Respekt und unser Mitgefühl bewahren. Denn genau das macht unsere Gesellschaft stark.
 
Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch, dass Polizei und Justiz die rechtlichen Möglichkeiten erhalten, unsere Bürger wirksam zu schützen. Freiheit braucht Menschlichkeit – aber sie braucht auch einen Staat, der sie entschlossen verteidigt.
 
PS. Fotos vom Historischen Jahrmarkt in Kornelimünster 2008