Trittau (mp).

Wie scheinbar selbstverständlich perlen
die Finger von Axel Zwingenberger
über die Tasten.
Es gibt viele Musiker, die ihr technisches Handwerk und ihr Instrument bis ins Äußerste beherrschen, aber es gibt wenige, die dank ihrer einzigartigen Individualität darüber hinausgehen. Dank purer Energie, schierer Persönlichkeit und einer Autorität in Sachen Blues und Boogie Woogie ist Axel Zwingenberger so einer und bildet eine eigene Kategorie Pianist. „Es ist eine gut eingeführte Tradition, dass ich hier spiele“, sagte er in der Wassermühle. Diesmal aber hatte er eine Blues- und Jazzsängerin dabei und kündigte mit Lila Ammons die Enkelin des von ihm hochgeschätzten Boogie-Woogie-Pianisten Albert Ammons an, von dem er schon als 17-Jähriger fasziniert war. „Lila Ammons ist wie vom Großvater mitgeprägt. Sie stammt aus Chicago, wohnt in Indianapolis und kommt für Konzerte immer hierher.“
Nach einigen Solostücken am Klavier zur rhythmischen Einstimmung auf den Abend begrüßte Zwingenberger unter seinen Fans aus Hamburg, Bad Oldesloe, Ahrensburg, Reinbek oder Trittau auch Gäste aus Japan und erklärte, warum das Konzert als Film mitgedreht wird. „Ein Dokumentar-Filmteam ist aus Tokio extra angereist, weil es gehört hat, dass Trittau der Nabel der Welt des Boogie Woogie ist. So kann es passieren, dass der eine oder andere auf dem Film zu sehen ist.“

Lila Ammons
Als Lila Ammons die Bühne betrat, gab sie ihren großen Beifall bescheiden an Zwingenberger weiter und nannte ihn „Maestro des Boogie Woogie“. In humorvollen und unterhaltsamen Beiträgen ging die Sängerin kurz auf ihre Texte ein. Eben auf all das, was sie berührt, was Menschen beschäftigt, musikalisch und emotional. Sie sang mit einer vielfarbigen, sinnlichen Stimme, wandelbar, elegant-temperamentvoll und mit großer Beweglichkeit und Erzählkraft. Manchmal ganz sanft, zärtlich und voller Melancholie, im nächsten Moment dunkel und mit geballter Intensität, die berührt.
Das profunde, musikalische Fundament für das Duo legte Axel Zwingenberger und zeigte auch mit anderen Klangfarben Vielseitigkeit. Auch wenn seine Improvisationen wie scheinbar selbstverständlich über die Tasten perlen, geht er schöpferisch frei damit um, bringt Spannung ins Spiel, lässt das Publikum in einem Feuerwerk an Temperament und Kraft in den Fingern mitschwingen und inspiriert es auf eine fast hypnotische Art und Weise.

Als Überraschungsgast setzte sich
Niels von der Leyen zu Axel Zwingenberger
an den Flügel.
Mit Niels von der Leyen, „er ist extra aus Hannover hier“ kündigte Zwingenberger seinen Überraschungsgast an, mit dem er sich die Tastatur des Flügels teilte und mit ihm zwei Boogie Woogies vierhändig spielte. „Axel ist mein musikalisches Vorbild“, sagte der Neffe der Bundesministerin und hat als Autodidakt inzwischen sein Hobby zum Beruf gemacht. Nach einem weiteren Gesangsblock sollte ein langer Konzertabend zu Ende gehen, zu hören waren begeisterte Stimmen wie: „Wahnsinn“ und „Super“.
Das Publikum bekundete seine Freude mit lang anhaltendem, jubelndem Applaus und durfte eine weitere Überraschung des Abends erleben: Nach einigen Zugaben setzte sich Lila Ammons zu Zwingenberger an den Flügel und bewies, dass auch sie den Boogie in den Fingern hat.
Erschienen im MARKT 20. Woche 2010