Trittau (mp).

Der Posaunist Chris Ludowyk
Fußball ist nicht alles: Das jedenfalls hatten sich die Besucher gesagt, die sich für das Jazz-Konzert der australischen Band „Syncopators“ in der Trittauer Wassermühle entschieden hatten – und sie hatten gut entschieden. Der Abend brachte die Gemüter mit ansteckend treibendem Oldtime-Groove in Hochstimmung. Unverstärkt und vielfältig im Sound setzten die sieben Musiker mit viel Gespür für Klangfarbe, Dynamik und Rhythmus spannend musikalische Akzente. Die Gruppe beeindruckte durch Spielfreude, Virtuosität, Leidenschaft und Humor.
Den Klangfarbenteppich legte Stephen Grant am Flügel, der sich nicht nur als einfühlsamer Begleiter, sondern auch als äußerst versierter Pianist bewies.
„Wir spielen heute gegen die Fußball-Weltmeisterschaft“, sagte Elke Baum zur Begrüßung der Gäste in ihrer bekannt fröhlichen Art und erinnerte an das wenige Stunden vorher zu Ende gegangene Spiel gegen
Serbien: „Deutschland hat verloren, aber ich garantiere einen schönen Abend mit einer der besten Jazzgruppen Australiens.“ Dass allerdings Australien gegen Deutschland mit 0:4 im ersten Spiel verloren hatte, brachte die beiden Nationen jedoch nicht in Zwiespalt. Ganz im Gegenteil: Amüsant und unterhaltsam sowohl während des Konzerts als auch in der Pause fühlten sich Musiker und Besucher gleichermaßen verbunden.

Hier rückte Schlagzeuger Andrew Swann
auch als Sänger in den Vordergrund.
Die Syncopators brachten großen Klangzauber mit einem aussergewöhnlich sensiblen und technisch makellosen Spiel in die Wassermühle. Als Grundlage nehmen sie den New Orleans Jazz und machen daraus mit Swing und Blueselementen sowie farbiger Rhythmik ihr eigenes Ding. Charakteristisch für diese Art von Jazz sind die Kollektivimprovisationen der melodietragenden Instrumente wie Trompete, Posaune und Saxophon oder Klarinette. Die kollektive Improvisation als treibende Kraft lenkt die elementaren Teile dieser Musik in immer wieder neue und ungeahnte Bahnen. Eine Musik von großer struktureller Klarheit und dennoch emotionsgeladen. Ohne den Sound dieser Band zu Tode zu polieren, bereichern sie die Titel noch mit Gesang oder einem kompakten Backgroundgesang. Immer wieder spielen sich die Musiker ihre Bälle gegenseitig zu, um mit ihren instrumentalen Fähigkeiten als Solisten zu glänzen. Sie arbeiten an einem außerordentlich vielfarbigen thematischen Material, das sie intelligent und voller Spielwitz zu einer weitgehenden Einheit zusammenfügt. Die stimmungsvollen Arrangements und Eigenkompositionen wechseln auch zu tanzbaren Grooves, sammeln eingängige Melodien, auch mit einer liebevollen Hommage an Louis Armstrong.
In ihren zahlreichen Konzerten haben die Syncopators, insbesondere auch durch ihre Erfahrungen mit der Musik, den Rhythmen und Skalen anderer Kontinente, das Publikum, wie auch die Kritiker zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Kein Wunder, dass am Ende dieses Konzert die Besucher lautstark und immer wieder „Zugabe“ riefen. Ohne einen Anspruch anzumelden, sagte ein Besucher: „Es ist egal, ob Tango oder Blues.“
Erschienen im MARKT 25. Woche 2010