Trittau (mp).
Georg Schroeter
Lässig, locker und ungeheuer schwungvoll präsentierten sich der Pianist Georg Schroeter und der Harp-Spieler Marc Breitfelder. Als erste deutsche Musiker am International Blues Challenge in Memphis qualifiziert, gehören sie zur Spitze der besten Blues Duos der Welt.
Die Wassermühle tobte bei bester Stimmung, während draußen in der Zwischenzeit mit 20 Zentimeter Neuschnee der Winter wieder eingekehrt war. Das Staunen über die dicken Schneeflocken in der Pause verfehlte seine Wirkung nicht: umgehend quittierte Georg Schroeter dies musikalisch am Flügel mit „Leise rieselt der Schnee“. „So ein Wetter wünscht man sich Weihnachten“, sagte er nach dieser kleinen humorvollen Einlage und setzte die Anregung aus dem Publikum spontan um, diesen Titel doch als Boogie-Version zu spielen. „Habt Ihr noch irgendeine Idee, was ich spielen kann?“, fragte er und fand immer wieder den Weg zum Zuhörer. Er sprang von seinem Hocker auf, fügte sich dem rhythmischen Klatschen ein und genoss die mitreißende Begeisterung. Die Fans ließen sich nicht nur von der Musik verzaubern, sondern auch von der verbindlich-intimen Herzlichkeit. Das Duo brillierte mit sprühender Spiellaune.
Die beiden Musiker, Georg Schroeter am Klavier und der ehemalige Mundharmonika Europa- und Vizeweltmeister Marc Breitfelder, verbinden die richtige Dosis von traditionellen und neuen Strukturen beim Blues und Boogie-Woogie zu einem eigenen Stil. Sie geben sich Impulse, fangen sie jederzeit auf, erweitern, entwickeln Neues und gehen bei ihren fröhlich ausgetobten Improvisationen gemeinsam auf Abenteuerreise.
Kommen Musiker zusammen, die diese Kommunikation betreiben, werden die Konzerte zu einem intensiven musikalischen Gespräch und sind gleichermaßen spannend für die Beteiligten wie auch beim Zuhörer. Mit rhythmischen Finessen formt sich der facettenreiche Sound aus der Harp, die Marc Breitfelder aus einer Vielzahl unterschiedlicher Modelle wählt und auch während des Spiel stets wechselt. Mit harmonischen Effekten zaubert er phantasievolle Klanggemälde von sanften und zart schwebenden Tönen, die auch mystisch und sphärisch klingen, um zwischendurch ein wildes, lautstarkes Eigenleben zu beginnen. Sein Spiel erfordert feinste Spieltechnik. Die hohe Klangfülle überzeugt ebenso bei den Soli wie beim nahtlosen Ineinanderspielen der Instrumente.
Als Überraschungsgast fügte sich die Sängerin
Tina Brandl mit „Summertime“ in das Konzert ein.
Dass Georg Schroeter entspannt lächelt, während seine Finger furiose Schlagtechniken vollführen, ist der Beweis dafür, dass seine Improvisationen bei wirbelndem Enthusiasmus wie scheinbar von selbst über die Tasten perlen. Virtuos bringt er Spannung in die Songs, die dem Publikum teilweise aus anderen Versionen bekannt gewesen sein dürften, denen er dann unverkrampft geschmeidige Arrangements nach typischen Blues-Gepflogenheiten, wie bei dem Frank-Sinatra-Song „Everybody Needs Somebody“ mit persönlichen Note versieht. Als er am Ende des Konzerts einen Überraschungsgast ankündigte, trat aus dem Publikum die Sängerin Tina Brandl auf die Bühne, die mit warmer Jazzstimme „Summertime“ zu Gehör brachte. Jubelnd begeisterter Applaus forderte noch einige Zugaben heraus, mit Standing Ovations dankten die Besucher für den gelungenen Abend.
Erschienen im MARKT 10. Woche 2010