Trittau (mp).
Als Meister seines Fachs verfügt Reiner Regel über eine unglaubliche Atemtechnik und führt bei virtuosem Registerwechsel zu immer wieder neuen Höhepunkten.
Reiner Regel gehört zweifellos zu Hamburgs herausragenden Jazzmusikern und steht seit mehr als 45 Jahren auf der Bühne. Zu Gast war er in der Wassermühle mit dem Pianisten Günther Brackmann: „Er ist ein Meister des Saxophons, ein Meister der Klarinette und eine Ikone in Hamburg“, so seine Ankündigung, nachdem er am Flügel schon zwei Boogie-Woogie-Stücke vorgelegt hatte und sich Reiner Regel zum raffiniert klanglichen Gewebe einfügte. Seine bewundernswerte Bläsertechnik gab einen Einblick in den Reichtum der Klangnuancen seiner Instrumente sowie in die Intensität und Ausdruckskraft. Wenn Reiner Regel zum Mitklatschen animierte, ergriff er auch den Letzten. Ein überzeugendes Verständnis zwischen dem Tasten- und den Blasinstrumenten vermittelte ein eindringlich musikalisches Erlebnis, bei dem sich das Publikum in der Stimmung und rhythmisch gefangen fühlte.
Im Wechsel zwischen seinen Saxophonen und der Klarinette brillierte Reiner Regel melodisch und feinfühlig durch Musizierfreude und gestalterische Lebendigkeit. In den Klangfarben variierend von samtig-weichem Wohlklang bis hin zu strahlendem Metall bringt er seine Instrumente hervorragend zur Geltung. Seine souveräne Technik und eindrucksvoll musikalische Phantasie steigerten sich zu spannenden wirkungsvollen Dialogen mit dem Klavier und überraschenden Höhepunkten. Mal zaubert er kaum vorstellbare, an Perkussionsinstrumente erinnernde Klänge auf seinem Altsaxophon, dann haucht er zarte Kantilenen in extremen Lagen. Seine unglaubliche Atemtechnik und brillante Tonformung erreicht eine atmosphärische Dichte, die mit einer breit gefächerten Dynamik besticht.
Mit gestalterischer Lebendigkeit war Reiner Regel auch singend zu hören.
Fasziniert verfolgte das Publikum, wie er seine Instrument präsentierte: alle Farben und Klänge, alle Techniken und Tricks scheint er zur Verfügung zu haben. Die Palette der Titel, davon auch einige mit Gesang, reichte von „Jeep's Blues“, „Ode of Billy Joe“, „Bluestime“, „Georgia On My Mind“, „Coming Home Baby“ bis „Goody Goody“. Dabei zeugten Improvisation, Rhythmus und lyrische Parts von einer erfahrenen Handschrift und geschmackssicherer Stilistik.
Ebenso virtuos, klanglich reich schattiert und bestens abgestimmt überzeugte Günther Brackmann mit temperamentvoller Ausdruckskraft. Mit musikalischer Gestik und unmittelbarer Körpersprache, dann ein plötzliches Innehalten und ein mehr zugeworfenes Konzertieren bei den Soli sorgten die Musiker bei überspringender Leidenschaft für immer wieder neue Hörerlebnisse. Wieder einmal verbreitete sich eine einzigartige Stimmung in der Wassermühle. Bei vielen Songs sangen die Besucher im Refrain mit und am Ende dankten sie mit lautstarken Beifallsstürmen und ließen die Musiker nicht gehen, ohne noch einige Zugaben zu hören.
Erschienen im MARKT 8. Woche 2010