Düwelsbrücker Creativmarkt in Hamburg September 2017

Elke Baum   *   Kunsthandwerker-Agentur
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Rückschau

Der Düwelsbrücker CREATIV-Markt am Teufelsbrücker Fährplatz in Hamburg - Nienstedten – direkt an der Elbchaussee am 09. und 10. September 17 wurde für mich das Wechselbad der Gefühle

Der Teufelsbrücker Platz gehört zum Hamburger Stadtteil Altona. Altona ist einer der am dichtesten bebauten Stadtteile Hamburgs und Schmelztiegel zahlreicher Kulturen. Das bedeutet: Bunte Straßenfeste und Läden aus aller Herren Länder. Auf einer Fläche von 2,7 Quadratkilometern wohnen mehr als 28.000 Menschen, darunter viele junge Leute. Hier leben vor allem Singles und Alleinerziehende, oft auf engem Wohnraum und in öffentlich geförderten Wohnungen. Mittlerweile sind etliche Bereiche des Stadtteils verkehrsberuhigt, so dass es in Altona trotz seiner dichten Bebauung auch ruhige Gegenden gibt

Elegant und hanseatisch, aber auch dörflich und beschaulich: Das ist der Elbvorort Nienstedten, der schon lange betuchte Hamburger anzieht. Hier wohnen aber auch wohlhabende junge Familien mit vielen Kindern. Nur ein Mit-Mach-Kinderprogramm zieht auch sie auf einen Markt. Auf der anderen Elbseite vom Teufelsbrücker Fährplatz liegt Finkenwerder mit Tradition und dem Flugzeugbauer Airbus.

Zusätzlich kommen viele Touristen aus der Innenstadt mit der Fähre an die Elbchaussee – geradezu auf unseren Markt auf den Teufelsbrücker Platz. Man muss sich nur einmal dieses unterschiedliche Besucherpotential vorstellen. Alles gut und schön – nur eines – es darf nicht regnen. In dem Fall bietet Hamburg begehrenswertere Aktivitäten.

Auf unserem kleinen „Düwelsbrücker Creativ Markt“ sollten sowohl wohlhabende, alternative als auch Familien mit Migrantenhintergrund Spaß haben. Das ältere Publikum, das an unseren Ständen vorbeizieht mit dem Spruch: „Schade, aber wir haben schon alles,“ war gestern und nützt uns nichts, denn morgen sind sie gestorben. Auch wenn junge Familien zurzeit nicht so viel Geld ausgeben können, sie sind unser Publikum mit mehr Geld in den nächsten Jahren. Wir müssen unsere Märkte für die kommende Generation ganz neu aufstellen. Oder unsere Märkte sterben mit den Alten. Damit haben wir in diesem Jahr viel Erfolg gehabt. Man kann nicht immer aus einem Geschäft alles herausholen wollen, wenn man in der Zukunft davon leben will.

Kleine Stände, traditionelle vorführende Handwerker so weit möglich und ein anspruchsvolles Kinderprogramm. Das alles auf einem kleinen Markt an der Hamburger Elbchaussee sollte begeistern. Vielleicht war ich von dem Gedanken so beseelt, weil meine Tochter bis vor kurzem in der Neustadt mit ihren Kindern gewohnt hatte und ich erlebt habe wie vorbildlich die Stadt Hamburg junge Familien mit Kindern und geringem Einkommen unterstützt.

Doch nun kam es wie es kommen musste, wenn man sich so begeistert in eine Sache hineinsteigert. Der Samstag begann mit Dauerregen. Es regnete bis zum Spätnachmittag und meine Vorfreude endete in großer Enttäuschung. Selbst Dag stand neben seinen Wippdrehbänken und blickte traurig auf die Elbe mit ihren vorbeiziehenden Schiffen. Natürlich tröstete es mich nicht als unser Huthändler Uwe Rathje erzählte, dass es auf anderen Märkten auch nicht anders aussah. Was interessieren mich andere Märkte: Hier an der Elbchaussee hatten sich meine Visionen zu erfüllen. „Es kann doch nicht jedes Wochenende das passende Marktwetter sein“, versuchte auch „der Mann an meiner Seite“ mich aufzuheitern. „Und, wenn es morgen auch regnet? Was dann?“ Nur der Inhaber vom Hausboot des Restaurants „Dübelsbrücker Kajüt“ meinte: „Morgen scheint die Sonne. Und dann wird es hier brechend voll. Wirst Du sehen!“ Seine Gäste kommen auch mit der Fähre. Er ist fast immer ausgebucht und total nett mit seinem Team. Und er sollte Recht behalten.

Düwelsbrücker CREATIV-Markt am Fähranleger Teufelsbrück in Hamburg
Am Sonntag Sonnenschein

Am Sonntagmorgen schien tatsächlich die Sonne. Ich konnte es kaum fassen. Als wir gegen 10.30 Uhr auf dem Teufelsbrücker Fährplatz ankamen, kamen schon die ersten Besucher. Gegen 12.00 Uhr strömten die Familien mit ihren Kindern aus Nienstedten, Altona und aus Othmarschen. Viele Kinder mit ihren Vätern stürzten sich regelrecht auf die Wippdrehbänke von Dag Wixforth. Dicht von Zuschauern umringt wurden Kerzenleuchter gedrechselt was die Wippdrehbänke nur hergaben – begeistert diskutiert und das Marktleben nahm seinen Lauf so wie ich es mir vorgestellt hatte. Zusätzlich kamen in kurzen Abständen Touristen und Gäste aus Finkenwerder oder aus der Innenstadt mit der Fähre.

Ab 12.00 Uhr bis nach 18.00 Uhr standen an unserem Crêpesstand durchgehend ca. fünfunddreißig Besucher geduldig Schlange und auch unser Grillprinz war ausverkauft. Man hört ab und zu: „Den Tag holen wir nicht mehr ein“, aber an diesem Tag war alles ausverkauft, was für zwei Tage gedacht war: das will bei einem Profi schon was heißen, der eher mehr Ware vorrätig hat als zu wenig. Selbst die vielen Fahrradfahrer hielten an und oft hörte ich: „Lass uns mal eine Wurst essen.“ Die beiden „Grillprinzesssinnen“ haben da schon etwas geleistet um die Schlangen zu bedienen.

„Also, hier ist viel zu wenig zu essen“, meinte eine Besucherin. „Wieso“, meinte der Mann „das ist ein Kunsthandwerkermarkt und keine Fressmeile“. Das Ehepaar kam aus Wohldorf/Ohlstedt. Nein, eine Fressmeile sieht anders aus. „Dann hätten Sie gestern einmal kommen sollen - gähnende Leere“, klärte ich das Ehepaar auf und lud sie gleich zum großen Erntedankmarkt nach Trittau ein. „Da kommen die Besucher auch im Regen“.

Was diesen Markt aber auszeichnete war die Freude des Publikums, ob wohlhabend, alternativ oder mit Migrantenhintergrund. Es kamen viele junge Familien mit ihren Kindern. Genau so hatte ich den Markt beworben. Das Marktpublikum fern ab von kleinbürgerlicher Spießigkeit würde ich zu gerne weiter einfangen. Und genau das bietet Hamburg. Im Vergleich dazu ist Trittau kleinbürgerlich und manchmal auch ein wenig spießig. Meine Tochter wollte nie mit ihrer Familie nach Trittau ziehen, und ich kann sie verstehen. Doch letztendlich wohnt man mit kleinen Kindern bevorzugt in einem Haus auch in Trittau, wenn das Wohnen in Hamburg in größeren Räumlichkeiten unbezahlbar wird.

Der Sonntag hat natürlich auch unsere Aussteller zum größten Teil wieder auf die Haben- Seite gebracht. Frau Rathje hatte übrigens schon am Sonnabend im Regen Hüte verkauft. Ihre Kunden kamen durch unsere Werbung. Aber sie verkauft immer gut auf unserem Markt am Fähranleger Teufelsbrück. Die Leute kommen von der Fähre und kaufen wie selbstverständlich einen Hut. Manchmal frage ich mich, wie das angehen kann? Dazu meinte unser Hamburger Aussteller Mattuch: „Elke, wo findest Du heute noch einen passenden Hut in guter Qualität?“ Muss so ja wohl sein.

Meine heute etwas längeren Ausführungen möchte ich mit denen von der Veranstalterin der weltweiten größten und erfolgreichen Cruise Days an diesem Wochenende im Hamburger Hafen beenden. „Wir werden die Cruise Days nur alle zwei Jahre ausrichten. Die Leute sollen sich darauf freuen und nicht sagen: „Ach, schon wieder die Cruise Days. Dann ist es nichts Besonderes mehr.“



Ihre
Elke Baum