Neustädter Ostermarkt 2011
Hören Sie ein aktuelles Interview mit Elke Baum zum Ostermarkt von unserem Musiksender R.SH h i e r.
(Mit frdl. Genehmigung Copyright R.SH)
Ein gut besuchter Ostermarkt ...
... aber die meisten kommen nur zum Bummeln.
Niedliche Osterhasen
Das größte Osterei des Nordens mit 4000 gefärbten Eiern
Und hier sind die Osterlämmer
Dieser Hase genoss den ganzen Tag das Streicheln
Die Kinder hatten ihren Spaß
Alle Fotos © Elke Baum 2011

Plakatbeispiel
Rückschau auf die Veranstaltung
vom 23. + 24. April 2011
23730 Neustadt/Ostsee
Nun haben wir bereits das erste Drittel Veranstaltungsjahr 2011 hinter uns gebracht. Begünstigt durch das früh einsetzende warme Frühlingswetter, das späte Osterfest mit fast sommerlichen Temperaturen können wir doch alle sehr zufrieden sein. Am Jahresanfang wurden wir fast überschwemmt mit Anfragen für unsere Veranstaltungen. Doch wir wissen aus vergangenen Jahren, dass sich bereits ab Ostern die Ausstellerschar teilt. Zurzeit werden viele Parallelmärkte angeboten. Eine Stunde nach Beginn des Marktes wurden bereits die Umsatzzahlen der Verkäufer auf den anderen Märkten abgefragt.
Es ist längst kein Marktgeheimnis mehr, dass der Hamburger Musiker und Huthändler Uwe Rathje wieder auf unseren Märkten ausstellt. Vor Jahren noch von den Kunsthandwerkern verschmäht, weil er seine hochwertigen Hüte nicht selber herstellt, haben sich die meisten Kunsthandwerker heute ebenfalls auf einen Teil Handelsware umgestellt. Auch viele damalige Veranstalter von reinen Kunsthandwerkermärkten mussten inzwischen - wie auch ich - gegen ihre Überzeugung - Abschied von den Kunsthandwerkermärkten der ausschließlich selbst hergestellten Unikate nehmen. Wir bieten deshalb im Lüneburger Glockenhaus inzwischen für zwanzig Kunsthandwerker zweimal im Jahr reine Kunsthandwerkermärkte an. Dort haben dann wirklich Sortimente wie Bergkäse und andere Spezialitäten nichts zu suchen. Geächtet, verschmäht und manchmal von mir herablassend behandelt war Uwe Rathje damals der einzige Händler auf meinen Kunsthandwerkermärkten. Irgendwann hat es ihm gereicht - mein Anspruch an seine Standgestaltung, mein ergebenes oft unkritisches Verhalten den Kunsthandwerkern und meine Arroganz ihm gegenüber. Hinter den Marktkulissen waren wir geschäftlich befreundet, aber sobald er seinen Stand aufbaute, fühlte ich mich wie eine Verräterin den Kunsthandwerkern gegenüber und ließ ihn diese Ambivalenz mit ständigen Belehrungen und Bevormundungen fühlen. Aber wie es mit ehrlichen Freundschaften so ist, sollte man in Wirklichkeit nicht auf sie verzichten und schon gar nicht im oft verlogenen Veranstaltungssumpf.
Deshalb freue ich mich, dass Rathje Betriebe wieder auf vielen meiner Märkte vertreten sein werden. Immerhin beschäftigt er inzwischen zehn Mitarbeiter, die jedes Wochenende in Sachen hochwertiger Hüte auf den unterschiedlichsten Märkten in Deutschland vertreten sind. Für mich ist damit wieder ein objektiver Erfahrungsaustausch möglich.
Seit ein paar Jahren sieht die kunsthandwerkliche Welt anders aus als damals. Selbst diejenigen, die auf Ehre und Gewissen beteuern, sie verkaufen nur handgemachte Einzelstücke, lassen manchmal größere Stückzahlen in Polen arbeiten, imitieren oder Teilbereiche ihrer Unikate im Ausland vervollständigen. Oder man trifft sie auf den Messen in Sachen Kunsthandwerk. In diesen Jahren habe ich viel gelernt. Ausstellern, denen ich zuvor geholfen hatte, konnten plötzlich bei Veranstaltern von Gartenmessen horrende Standgebühren zahlen. Andere Beispiele möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Der Egoismus unter den Ausstellern und die Beliebigkeit ihrer Waren haben auf den Märkten zugenommen. Sobald ein Händler etwas entdeckt, das gut läuft, ziehen zehn andere nach. Das sieht bei Sortimenten wie beim Bergkäse nicht anders aus. Nur hier schlagen dann die Discounter mit gleichem Angebot zu wesentlich günstigeren Preisen zu. Und die Händler auf den Märkten wundern sich, dass die Kundschaft an ihren Ständen grußlos vorbei zieht.
Heute sehe ich das Marktgeschehen gelassener als damals durch die verklärte Kunsthandwerkerbrille und habe meinen Idealismus gebremst. Den Spaß auf den Märkten mit den Menschen, die unsere Märkte gestalten und an meiner Arbeit hinter den Marktkulissen bedeutet mir immer noch MEHR als ausschließlich das Geschäft mit dem Tanz um das goldene Kalb - das Geld. Aber mein Wort zählt immer noch genauso wie ein Vertrag.
Wer meine Berichte liest, sollte wissen, dass meine Jugend in den sechziger Jahren, einer Welt des Oswald Kolle, Drugs and Rock'n' Roll lag. In meiner Kindheit hatte fast niemand ein Auto, mein Opa kaufte das erste Fernsehgerät, und es gab lange Zeit nur drei Programme. Was meine Generation an Veränderungen erlebt hat übersteigt das, was heute Dreißigjährige noch an Veränderungen erleben werden.
Je älter ich werde, desto bewusster wird mir, dass die Kunsthandwerkermärkte zwar 1980 mit mir begannen, aber nicht enden werden. 31 Jahre Markterfahrungen mit vielen Illusionen waren ein großer Lehrmeister. Sie lehren mich heute, die Dinge aus einem gewissen Abstand ganz neu zu betrachten. Wir, die wir uns heute manchmal das Leben unnötig schwer machen, werden morgen schon gegen andere ausgetauscht sein. Das geht schneller als wir denken können.
Nun aber zurück zum Ostermarkt in Neustadt: An der Nord- und Ostseeküste gab es spätestens ab diesem Wochenende natürlich wieder eine Reihe von Oster-, Floh- und Fischmärkten. Für die Gastronomie war auf unserem Ostermarkt Thomas Schöttler mit mehreren untervermieteten Ständen zuständig. Manchmal kann man sich nur wundern, mit welchen Ständen die Schausteller durch die Lande ziehen - von einem Markt zum anderen - und nicht verstehen wollen, warum ihre Stände keine Menschen mehr anziehen.

Hans-Dieter Fahlenkamps köstliche Rosinenbrötchen
Dagegen hatte die historische Kräuterbeckerey Hans-Dieter Fahlenkamp aus Neuhausen auf dem Ostermarkt gut zu tun. Auch der frisch geräucherte Flammlachs von Erwin Beeik in seiner rustikalen Fischerhütte kam bei den Touristen gut an. Asiatische Küche an der Ostseeküste? Muss ich nicht kommentieren, oder? Ein Riesenstand vom Jahrmarkt mit Mutzen u.ä. auf einem Ostermarkt mit Lämmern und lebendigen Osterhasen und 35 Kunsthandwerkern - kein Kommentar.
Während sich die Besucher vor unseren Ständen am Samstag drängelten, blieb es an den Ständen der Gastronomie fast menschenleer. Für einige Kunsthandwerker begann der Samstag ähnlich umsatzstark wie der in Trittau eine Woche zuvor. Schon flammte die Hoffnung auf, dass es in Neustadt eine Fortsetzung des Trittauer Ostermarktes geben könnte. Kann es aber nicht auf einem Touristenmarkt. In Trittau setzen sich tausende Besucher erst einmal ins Auto um nach Trittau nur für diesen Ostermarkt zu fahren. Kein Mensch tankt heute teures Benzin, um zu einem Kunsthandwerkermarkt zu fahren, um sich dort nur die Zeit zu vertreiben. Er möchte auf jeden Fall diesen einen Markt aufsuchen und auch erleben. Dafür nimmt er Parkprobleme und längere Fußwege durch den Trittauer Ort oder durch den Wald in Kauf. Spätestens dort auf dem Markt angekommen, wird er sich - weil dieser Markt auch keinen Eintritt kostet - für seine Anstrengung und den weiten Weg belohnen. Und wenn er nur die Stände der Gastronomie aufsucht. An dem Kuchenbüfett im Mühlencafe standen die Besucher in langen Schlangen. Auf keinen Fall fahren die Besucher wieder unverrichteter Dinge nach Hause.
Auf den Touristenmärkten kommt nur ein Teil der Besucher ausschließlich für den Kunsthandwerkermarkt - die meisten kommen zum Bummeln oder sich am Strand zu tummeln. Dieser Besucher isst und trinkt oft auch nicht auf dem Markt, sondern in den kleinen Restaurants von Neustadt direkt am Wasser oder bringt sich alternativ sein Essen in der Kühlbox mit. Ein Teil der Touristen hält sich bei schönem Wetter auch im Hafen oder am Strand auf. Den Umsatz eines Touristenmarktes an der Küste mit einem traditionellen Markt um die Trittauer Wassermühle zu vergleichen, kann nur danebengehen. Wir haben jedoch nur drei Märkte um die Trittauer Wassermühle, und davon kann kein Aussteller bis zu den Weihnachtsmärkten über die Runden kommen. Ich übrigens mit Personalkosten auch nicht. Dann ist es doch eine attraktive Alternative, wenn wir auf gut besuchte Touristenmärkte an der Küste zurückgreifen und sich einige Kunsthandwerker sogar auf mehrere unterschiedliche Märkte verteilen können. Bei gutem Wetter geht hier, wie wir in Neustadt festgestellt haben, diese Rechnung auch auf.
Viele Menschen besuchten am Samstag den Ostermarkt in Neustadt, und auch der größte Teil der Aussteller war mit seinen Umsätzen zufrieden. Am Sonntag kamen weniger Besucher - trotzdem konnten einige Aussteller noch gute Umsätze erwirtschaften.
Das Drechseln für Kinder und Erwachsene wurde am Sonntag begeistert angenommen, und ich konnte noch 135 bunt gefärbte Eier für den „Verein für therapeutisches Reiten“ verkaufen. Wir konnten abends sogar nach Hause fahren, unseren blühenden Garten sprengen und unsere alte Katze Jule versorgen.
Einig waren wir uns alle darüber, dass wir es mit einem sehr netten Marktpublikum zu tun hatten. Und wieder einmal ging ein schönes Marktwochenende mit netten Ausstellern zu Ende.
Ihre
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