Lüneburger Kunsthandwerkermarkt 2011
Das Glockenhaus mit den schweren Holzbalken.
Renate Prien aus Hamburg mit Fotokunst.
Handgefertigte Taschen aus Filz von Monika Bahr
Marion Wiegmann aus Beedenbostel mit Hüten und Mützen.
Barbara Palicki aus Berlin mit Papeterie.
Alle Fotos: © Elke Baum 2011

Foto: © Stadt Lüneburg
Rückschau auf die Veranstaltung
vom 19. und 20. November 2011
Glockenstraße 9
21335 Lüneburg
Das Lüneburger Glockenhaus erinnert durch die schwere Holzbalkenkonstruktion sehr an den Mahlboden der Trittauer Wassermühle.
Mit 22 Ständen und der kleinen Cafeteria ist das Glockenhaus ausgebucht. Es liegt sehr schön zentral in der Mitte der Lüneburger Altstadt. Schon vor Beginn um 11.00 Uhr drängten sich die Besucher vor den Ständen der Kunsthandwerker. Einige Aussteller waren noch am Auspacken und Dekorieren. Wir werden deshalb die Öffnungszeit im nächsten Jahr am Samstag auf 10.00 Uhr vorverlegen. Den ganzen Samstag bis abends schoben die Besucher durch die engen Gänge und die ersten Kunsthandwerker riefen: "Elke, Du musst im nächsten Jahr Eintritt nehmen". ....... und ich dachte: "Mal sehen, ob sie dies auch noch am Sonntag rufen!"
Am Sonntag setzte der Besucherstrom erst zwischen 13.00 und 14.00 Uhr ein - und da stand schon einigen Kunsthandwerkern die Befürchtung in den Gesichtern, DAS könnte es gewesen sein. War es aber nicht!!! Wieder gute Umsätze am Sonntag. Stiftedrechsler Günther Nichts war begeistert. Gute Umsätze in Lüneburg haben sich inzwischen bei den Kunsthandwerkern herum gesprochen. Entsprechend groß sind jetzt die Bewerbungen. Auch unsere Aussteller aus Aachen waren mit ihren Umsätzen sehr zufrieden. Nur in Anbetracht der weiten Fahrt und Übernachtungskosten sei hier anzuraten in westlicherem Umfeld auszustellen. Dies sieht Traudi Vorberg aus Belgien für ihre Damenmode wieder ganz anders. Wie immer auf unseren Märkten verkaufte sie in Lüneburg sehr gut. Jeder von uns glaubt an ein anderes Erfolgsgeheimnis.
Ich hatte das große Glück 17 Jahre den Trittauer Kunsthandwerkermarkt ehrenamtlich mit einem Verein zu organisieren. Wir durften deshalb keine größeren Gewinne erwirtschaften. In dem Fall kann man einen Kunsthandwerkermarkt in Ruhe aufbauen. Das ist heute leider nicht mehr möglich und auch nicht bezahlbar. Auch nicht mit 22 Ausstellern im Lüneburger Glockenhaus. Aber wenn Kunsthandwerkermärkte immer nur aus kaufmännischen Betrachtungen geführt werden müssen, werden Kompromisse geschlossen, die man eigentlich lieber lassen sollte.
Davon bin aber auch ich auf anderen Märkten leider nicht ausgeschlossen. Es geht nicht um uns, sondern um unsere Besucher. Ihnen müssen wir eine Auswahl von unterschiedlichen originellen Arbeiten vorstellen, die sie nicht im nächsten Geschäft um die Ecke noch günstiger bekommen. Deshalb ist Kunsthandwerk immer noch sehr gefragt. Genau aus diesem Grund wird im Lüneburger Glockenhaus auch gut gekauft. Immerhin punkten in Lüneburg viele attraktive inhabergeführte Geschäfte mit individueller Ware. In diesem Jahr fiel unser Termin außerdem mit der hochwertigen Jahresausstellung der Kunsthandwerker in der Handelskammer Lüneburg zusammen. Nun bin ich besonders stolz, dass unsere Besucher und Aussteller mehr als zufrieden mit der Auswahl unserer Kunsthandwerker waren. Wir haben uns gegenseitig keine Konkurrenz gemacht, sondern ich empfand es sogar als Bereicherung für alle, einmal zwei so unterschiedliche Kunsthandwerkermärkte nebeneinander zu betrachten. Im nächsten Jahr findet unser Kunsthandwerkermarkt im Glockenhaus jedoch eine Woche später statt.
Wenn wir schreiben: Der Schmuckbereich ist ausgebucht, dann meinen wir nicht damit, dass jeder Stand noch Schmuck beilegen kann und dieses in unseren Verträgen mit "Accessoires" deklariert. Erstaunlich ist in diesem Jahr auch, dass fast jeder Stand Stulpen zulegte. Ich habe immer wieder festgestellt: Ein bisschen DIES und ein bisschen DAS zeigt nur die Unsicherheit, sich zu einem Gewerk zu bekennen. Kunsthandwerk kauft nur ein bestimmtes Publikum. Kunsthandwerker arbeiten nicht für die Masse. In den seltensten Fällen kann eine Familie davon leben. Wie soll es denn gehen? Woche um Woche auf einen Markt? Wann soll das Produkt von Hand gearbeitet werden? Materialen einkaufen, von Hand arbeiten, daneben Buchführung und Privatleben führen. Und dann alles handgemacht???????
In Lüneburg besucht uns ein Publikum, das Kunsthandwerk zu schätzen weiß, und wir wählen auch die entsprechenden Kunsthandwerker aus. Sehr freue ich mich, dass sich nun auch mehrere Lüneburger Kunsthandwerker für das nächste Jahr entschieden haben. Wir sind hier alle auf einem guten Weg, und das macht mir große Freude. Allerdings sind beide Lüneburger Kunsthandwerkermärkte bereits jetzt fast ausgebucht.
Lüneburg ist eine Stadt mit jungem Publikum, und das ist schön. Am Samstag schien viele die Einkaufswut gepackt zu haben. Wenn jetzt nicht noch eine Hiobsbotschaft kommt, werden wir mit dem richtigen Produkt umsatzstarke Weihnachtsmärkte erleben.
Die Menschen auf der Straße sind nicht so dumm, wie die Politiker glauben. Kaum einer glaubt noch, dass der Euro zu retten ist. Wir können ihn auch nicht retten, und so legt sich eine Stimmung über die Menschen: "Ich habe alles nur Erdenkliche getan und gespart und jetzt soll alles umsonst gewesen sein?" Bevor der Mensch tatenlos zusieht, wie wir in eine Zukunft stolpern, von der niemand zurzeit weiß wie sie aussehen wird, belohnt er sich mit gutem Gewissen oder aus Trotz mit einem Kauf, der ihm Freude macht oder den er sonst aufgeschoben hätte. Die Menschen setzen wieder auf Qualität. Selbst Aldi-Nord will Millionen Euro in ihre zum Teil einfachen Discounterläden investieren. Was sagt uns das? Gerade in Krisenzeiten umgeben sich die Menschen mit Statussymbolen und kaufen damit das Gefühl, sich etwas wert zu sein. Am Ende steht der Wandel, der unser Leben lebenswert macht - Neues zu entdecken, festzustellen, dass manches definitiv nicht wiederholbar ist, dass aber genügend anderes darauf wartet, mit uns Bekanntschaft zu machen. Loslassen lernen macht die Hände frei für nächstes Festhalten.
Es wird eine gewaltige Umstrukturierung der Finanzen über Jahre geben. Die gesamte überschuldete Weltwirtschaft steht Kopf, und niemand kennt heute das geeignete Rezept. Alle Regierungen versuchen so lange bis es wirklich nicht mehr geht. Werden wir durch die Vorstellung der näher rückenden Schwierigkeit unfrei, ängstlich, klein und geduckt? Ganz im Gegenteil, wenn wir verstehen, dass jedes Ende den Keim neuer Anfänge in sich birgt. Kinder, Knospen und neue Triebe geben eine Vorstellung davon, wie mächtig das Leben ist. Für das Bunte, Erfüllte und Glückliche sind wir selbst zuständig.
Egal wie schwierig die Eurofinanzkrise werden sollte. 1945 lag Deutschland in Trümmern und wurde ein besetztes geteiltes Land. Die Nachkriegsgeneration hat es zu einem Wirtschaftsland aufgebaut - ohne wenn und aber. Nach einem schlimmen Krieg sind sie vor 66 Jahren aus Schutt und Asche aufgestanden und erreichten ein Wirtschaftswunder. - Nicht zu vergessen seit 20 Jahren ein vereintes Deutschland. Was soll uns auf unseren Märkten entmutigen? Wir können uns jeder Situation anpassen und werden es auch.
Sie trauen mir nicht? Ich bin 1945 geboren und glaube immer noch an unsere Märkte in ihrer ganzen Vielfalt und ihren Möglichkeiten.
Nun noch einmal in eigener Sache
Seit Januar stand meine Kolumne "In Mecklenburg werden ganze Dörfer von Nazis kontrolliert ..." auf meiner Homepage. So mancher wird gedacht haben: "Was soll denn das?" Jetzt wird bekannt: Mehrere Neonazis gehen in den Untergrund und bleiben fast 14 Jahre lang verschwunden. Sie rauben Banken aus und erschießen Einwanderer kaltblütig. Ungekannte Dimensionen rechten Terrors übersehen unser Verfassungsschutz und Polizei, obwohl sich die NPD in Deutschlands Mitte schon etabliert hat und es viele wissen. 2 Millionen Kinder und 4 Millionen Juden wurden von den Nazi-Deutschen 1939- 1945 nach Plan in die Gaskammern geschickt.
Ist es da noch ein Wunder, dass wir unseren Politikern nichts mehr zutrauen?
Am Ende, liebe Leute, müssen wir in jedem Fall die Verantwortung für unser Land selber tragen. Wir dürfen uns nicht ducken und irgendwem und irgendwas die Schuld geben.
Ich habe mich früher gefragt, wie man in Israel entspannt und gelassen leben kann, wenn man so aggressive Nachbarstaaten um sich hat wie der israelische Staat und jeden Tag damit rechnen muss, dass Bomben fliegen. Man lebt jeden Tag ganz intensiv, denn der israelische Geheimdienst ist der beste der Welt. Dagegen scheint Deutschland ein Entwicklungsland zu sein. Was muss in diesem Land noch alles passieren bis der Rechtsextremismus ein Ende findet???? Nun tun unsere Politiker ganz erschüttert. Auch nach Nazi Deutschland 1945 waren alle ganz erschrocken und keiner hatte angeblich etwas von den Grausamkeiten gewusst. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Immerhin, meine Kolumne stand ein ganzes Jahr vor Bekannt werden der rechtsradikalen Terrorgruppe auf meiner Homepage.
Ihre
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