Historischer Jahrmarkt in Kornelimünster 2009
Kornelimünster mit dem historischen Stadtkern aus dem 17. Jahrhundert
Dazu passten die wunderschönen Fahrgeschäfte und Verkaufswagen aus Urgroßvaters Zeiten.
Der "historische Bäcker" in seiner Straßen-Backstube
Gaukler und Artisten versetzten das Publikum in gewohntes Erstaunen
Alle Fotos mit frdl. Genehmigung © Andreas Herrmann, Aachen
andreasherrmann.de
Weitere Fotos finden Sie hier bei der Aachener Zeitung
Rückschau auf die Veranstaltung
vom 10. - 14. Juni 2009
Die malerische Kulisse der historischen Kleinstadt Kornelimüster, heute ein Ortsteil von Aachen bildete vom 10. bis zum 14. Juni wieder den Schauplatz für den großen "Historischen Jahrmarkt" - organisiert vom Circus Roncalli unter bewährter Marktregie von Gerd Vogt. Der Historische Jahrmarkt fand in diesem Jahr mittlerweile zum 34. Mal statt und gilt bei der Bevölkerung als beliebte Traditionsveranstaltung. Trotzdem oder gerade deshalb ziehen die Karussells der Kaiserzeit, die Schaubuden, Jongleure, Akrobaten, Straßenkünstler, Kunsthandwerker und Händler jedes Jahr immer mehr Besucher nach Kornelimünster - geschätzte 300 000 Besucher an nur fünf Tagen in den letzten Jahren. Der Historische Jahrmarkt lebte und platzte wie in den letzten Jahren aus allen Nähten. Wenn auch mehr Händler als Kunsthandwerker - angeschlossen der Antikmarkt -, das Angebot der 200 Händler und Kleinkünstler zieht Jahr für Jahr Menschenströme nach Kornelimünster. Umrahmt von der malerischen Kulisse des 17. Jahrhunderts der kleinen Stadt Kornelimünster ist dieser Historische Jahrmarkt jedes Jahr d a s Ereignis in dieser Region - beliebt ebenfalls im benachbarten Ausland Holland und Belgien. Es ist nicht nur der Name Roncalli, der die Massen bewegt, sondern die Mischung des Angebotes gekrönt mit Kulturprogramm, das es in dieser Art und Weise in keinem Kaufhaus oder auf austauschbaren Märkten zu finden gibt und schon gar nicht in dieser romantischen Kulisse des 17. Jahrhunderts.
Eröffnet wurde der Historische Jahrmarkt wie jedes Jahr am Mittwoch um 19.00 Uhr - von Probst Dr. Ewald Vienken in der St. Kornelius-Kirche mit einem ökumenischen humorvollen Festgottesdienst. Die Geschichte Kornelimünsters reicht zurück in die Zeit um Christi Geburt.
In der Heiligtumskammer der Propsteikirche werden die drei großen biblischen Heiligtümer Christi über der alten Sakristei aufbewahrt und zwar das Schürztuch, das Schweißtuch und das Grabtuch Christi und im 7-jährigen Rhythmus den Gläubigen gezeigt. Die St. Kornelius-Kirche entstand von 814-817 n. Chr. Der Dom beeindruckt mich jedes Jahr neu. Ich liebe den heiteren Gottesdienst mit Probst Dr. Ewald Vienken zur Markteröffnung, denn er veranschaulicht zum Marktbeginn auch die gesellige Seite des Christentums. Der sprechende Elefant zu Beginn des Gottesdienstes amüsierte nicht nur die Kirchengemeinde sondern auch die Reporter der BILD Zeitung. Nach unserer Fürbitte für die Händler und Künstler sprach der Oberbürgermeister von Aachen Dr. Jürgen Linden in einer beeindruckenden Begrüßungsrede, dass die weltweite Finanzkrise jetzt auch in Aachen angekommen sei und nannte Firmen aus dieser Region, die jetzt unverschuldet in Not gerieten und viele Arbeitsplätze auf dem Spiel ständen. "Alle Menschen dieser Region freuen sich auf diesen Historischen Jahrmarkt. Nehmen Sie alle an die Hand und lassen Sie keinen draußen stehen", war seine Botschaft. Für diesen einen Satz wäre ihm meine Stimme in Aachen sicher gewesen.
Zum Schluss dankte Pascal stellvertretend für den Circus Roncalli und die Marktteilnehmer für die freundliche Gastfreundschaft in Kornelimünster und betonte, dass er in den vergangenen sieben Jahren auch schon insgesamt zwei Monate in seinem Wohnwagen in Kornelimünster gewohnt hätte. In seiner frei gesprochenen Rede in rot goldener Zirkusuniform wirkte Pascal auf mich wie der reformierte Zirkusdirektor einer neuen Epoche.
Nach dem Gottesdienst verwandelte sich der gesamte Ort wieder in ein riesiges Freilichtmuseum. Kunsthandwerker demonstrierten vor Ort ihr Handwerk - allen voran der Holzbildhauer Tadeusdz Gollinczak, der in Kornelimünster nicht mehr wegzudenken ist. Die Händler positionierten sich für ihre Kunden.
Denn hinter den Händlerkulissen brodelte es heftig. Alles hätte so schön sein können, wenn Gerd Vogt nicht vier Wochen vor Beginn des Marktes den kreativen Einfall gehabt hätte, gerade die Stammplätze vieler Aussteller auszutauschen. Seine Befürchtung, die Besucher könnten den historischen Markt als das "IMMER GLEICHE" empfinden, ließ ihn kurzerhand die Stände zum Teil themenbezogen aufbauen. Den Unmut dieser Aussteller wird sich jeder Marktinsider lebhaft vorstellen können. Viele hatten sich auf ihre Stammkunden und Standnachbarn gefreut, mit denen sie sich in den Jahren angefreundet hatten und sich auch einmal am Stand vertreten lassen konnten. Auch ich konnte mich mit Gerds "Gourmetmeile" nicht recht anfreunden. Standen sich nun Käse - und Verkostungsstände gegenüber, und die Kunden mussten jetzt IHREN Aussteller erst einmal auf dem gesamten Markt suchen. Doch genau das war Gerds Absicht. Den Markt neu entdecken! Alle Einwände der Händler ließen ihn ungerührt.
"Wie findest Du das denn .....?, fragten mich die Nordlichter. "Doof...", antwortete ich ehrlich. "Sind wir hier im sortimentsbezogenen Supermarkt oder auf einem historischen Jahrmarkt?" Dies zu beantworten überlasse ich nun den jeweiligen Betrachtern und Teilnehmern. Es finden immer nur die Betroffenen etwas schlimm und unmöglich, allen anderen sind Veränderungen eigentlich egal. Ein Kunsthandwerker strahlte mich fröhlich an und meinte: "Dieses Jahr ist dieser Markt besonders schön". "Und was finden Sie dieses Jahr besonders gut gelungen?" fragte ich ihn gespannt. "Die Verkostungsmeile", war seine Antwort. Na bitte, wer sagt es denn. Er hatte ja auch seinen Standplatz behalten. Grundsätzlich sollte ein Veranstalter schon darauf achten, dass nicht jedes Jahr der gleiche Aussteller am selben Ort steht. Denn dann ziehen die Besucher andere Veranstaltungen vor, die ihnen abwechslungsreicher und interessanter erscheinen. In diesem Punkt gebe ich Gerd Vogt unbedingt Recht. Wir organisieren Veranstaltungen für unsere Besucher und nicht für uns. Das vergessen Kunsthandwerker und Händler gerne.
So wandte ich mich dem Artisten Noah Chorny aus Bergisch Gladbach zu und staunte über seine akrobatische und schwindelerregende Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen. (www.vertical-Theater.com)
Noah, normalerweise eine Seele von Mensch, hatte in Kornelimünster zu tief ins Glas geschaut, was seinem Talent zum Missgeschick und Unsinn erst richtig auf die Sprünge half. Er beschloss, ausgerechnet die Laterne anzuzünden, die noch wackeliger auf den Beinen stand als er selbst. Oben auf dieser Lampe torkelte und tobte er in sechs Meter Höhe. An der dünnen Stange der Laterne schaukelte und pendelte er in einem immer größer werdenden Radius über die Köpfe der Zuschauer hinweg - doch Vorsicht! Er versuchte sich überall festzuhalten und griff nach allem.
Die Zuschauer wunderten sich. Wieso brach die Stange nicht? Und wieso fiel der betrunkene Noah bei seinem einarmigen Handstand nicht herunter? Aber das sind eben die Geheimnisse eines Angetrunkenen und die eines besonderen Artisten schlechthin.
Alle Kleinkünstler, die an diesem Wochenende ihre Zuschauer in Kornelimünster begeisterten, können sich immer noch über volle Auftragsbücher für dieses und nächstes Jahr freuen. Auch die Aussteller waren mit ihren Umsätzen wieder sehr zufrieden. Das ist schließlich auch der Grund, warum es jedes Jahr weitaus mehr Bewerbungen als Veranstaltungsfläche gibt.
Mag ein Veranstalter seine Veranstaltungen noch so attraktiv anpreisen. Der Aussteller stimmt mit seiner Teilnahme ab. Dort wo Geld verdient wird, sind auch die Aussteller. Und dort wo viel Geld verdient wird, reichen die Veranstaltungsflächen nicht aus.
Märkte sind der kleinen Leute Luxusgeschäfte. Noch kann er sie sich leisten. Nicht alle unsere Kunden von früher können vielleicht im Moment kaufen sondern nur schauen. Wenn wir sie aber heute schauen lassen, können sie vielleicht morgen wieder bei uns kaufen. Vermeiden sollten wir auf unseren Märkten wirklich das abwertende Wort "NUR SEHLEUTE".
Deshalb möchte ich diesen Bericht mit den Worten des Oberbürgermeisters von Aachen Dr. Jürgen Linden schließen:
"Alle Menschen dieser Region freuen sich auf diesen Historischen Jahrmarkt. Nehmen Sie alle an die Hand und lassen Sie keinen draußen stehen".
Ihre
![]()