Husumer Hafentage 2010 - Kunsthandwerkermarkt auf dem Schlosshof
Der Kunsthandwerkermarkt wurde sehr gut besucht.
Mehr Fotoeindrücke von den Besuchern.
Die Modedesignerinnen standen in diesem Jahr im Mittelpunkt.
Mehr Fotoeindrücke von den Modedesignerinnen.
Ein tolles Kindermitmachprogramm von Motiva Spielzeit e.V.
Mehr Fotos von Motiva Spielzeit.
Günter Sundag mit Gartenaccessoires
Getränkestand von Detlef Pohl aus Weißeaue
Fotos: © Elke Baum 2010
Rückschau auf den Kunsthandwerkermarkt
vom 6. - 8. August 2010
25813 Husum/Nordsee
Unser Kunsthandwerkermarkt hatte sein eigenes Publikum, und das konnte sich an diesem Wochenende abends noch zusätzlich auf dem Husumer Hafenfest vergnügen. An allen drei Tagen konnten wir uns über bestes Marktwetter und einen sehr gut besuchten Kunsthandwerkermarkt freuen. Es verkauften trotz unterschiedlicher Wetterbedingungen auf jedem unserer Sommermärkte die gleichen Aussteller sehr gut. Anmerken möchten wir an dieser Stelle, dass wir nur mit Einverständnis der Beteiligten namentlich über ihre Erfolge berichten. Erfolgreiche Kunsthandwerker werden seit Jahren von uns im Internet vorgestellt. Viele sind dadurch noch bekannter geworden und bekamen Aufträge. Abgesehen von unseren Internetkosten bedeuten unsere wöchentlichen Bildarbeiten im Internet für uns einen großen Zeitaufwand, den wir für unsere Aussteller leisten.
Aber auch die Presse versorgen wir im Vorfeld unserer Veranstaltungen mit aktuellen Fotos von den teilnehmenden Ausstellern. Umso ärgerlicher, wenn sie dann nicht kommen und die Besucher nach ihnen fragen. Aus diesem Grund erscheint unser Bürstenmacher Wilhelm Hintz bevorzugt in vielen Magazinen. Seit drei Jahren nimmt er an fast allen unseren Märkten teil und hat uns noch nie versetzt. Für unsere Aussteller scheint dieser Service wie viele zusätzliche Annehmlichkeiten selbstverständlich zu sein. Aussteller, die selber Anzeigen in Wochenblättern schalten wissen, dass eine kleine Anzeige teurer ist als unser Standgeld für drei Tage auf den attraktivsten Marktplätzen im Norden.
Das Thema unseres Berichtes gilt heute den Modedesignerinnen auf unseren Märkten. Am Montag hatte ich mir einen Urlaubstag gegönnt, um von Husum mit dem Regional Schleswig - Holstein - Ticket nach Westerland zu fahren. Gab es im letzten Jahr hier noch einige kleine Geschäfte mit ausgefallener Mode ab Größe 40, suchte ich in diesem Jahr vergeblich nach ihnen. Geschäft aufgegeben!!!
Denn in Westerland in der Friedrichstraße kosten kleine Läden ca. 10.000 Euro Miete monatlich. So verschwinden die kleinen Fachgeschäfte mit individueller Mode und edlen Accessoires. Den Besuchern springen selbst in Westerland/Sylt Textildiscounter wie KIK mit Billigtextilien, das Polohemd für 1,99 €, entgegen. Nicht jede Frau trägt Größe 36 / 38 - auch stärkere Frauen möchten etwas anderes tragen als den angebotenen Einheitsbrei in Sachen Damenmode. Entsprechend hat sich auch das Publikum in Westerland langsam verändert. Die Jungen tragen Jeans und Turnschuhe und die Generation 50 plus bevorzugt die Farbe braun und beige. Dicke Frauen punkteten mit Hot Pants und ihre Männer mit 3/4 Shorts und Bändern an den Waden in Sandalen und Socken. Welch ein schrecklicher Anblick am Montagmittag mitten in der Ferienzeit in Westerland bei traumhaftem Syltwetter.
Deutsche Urlauber sehen uniformiert aus. Es wuchs zusammen, was eigentlich schon immer zusammen gehörte. Ost und West kleidet sich kollektiv braun und beige. In Husum trägt fast jeder zweite Mann als Abwechslung karierte Hemden. Für das nächste Jahr haben selbst die Einkäufer der hochpreisigen Herrenhemden ausschließlich kariert geordert. Wo sind die Jahre geblieben, als man bewundernd auf jemanden gegenüber blickte und dachte: "Mensch, siehst du gut aus!" Die Nachkriegsgeneration hatte sich chic gemacht und die Modebranche lebte von ihr. Der Nachkriegsgeneration ging es nicht um billig, sondern sie wollte sich durch Individualität und Werte von dem Durchschnitt der kleinkarierten Bürgerlichkeit abheben - und das um jeden Preis.
Und genau diese Nachkriegsgeneration reist jetzt einträchtig in braun und beige in Sandalen und Socken um die Welt. Nicht zu fassen!!!! So fuhr ich abends enttäuscht, unvollendeter Dinge wieder nach Husum zurück, denn in meinem ehemaligen Modegeschäft sitzt jetzt eine Ladenkette mit Größe 38. Aus welchem Blickwinkel wir die Welt erblicken und was wir sehen, entscheiden immer noch wir selber. Deshalb nahm ich mir auf der Rückfahrt vor, meinen Focus nicht mehr auf meine verpasste Chance in Westerland zu richten, sondern über unsere kreativen Designerinnen des Kunsthandwerkermarktes auf dem Schlosshof zu berichten. Nach diesem Tag war ich es ihnen geradezu schuldig.
Traudi Vorberg aus Belgien
Traudi Vorberg aus Belgien verkauft ihre Mode auf unseren Märkten im Norden sehr gut. Feine Seiden und Leinenstoffe aus Italien, individuell bedruckt und zu bezahlbaren Preisen begeistern die Frauen. Jedes Teil ein Unikat und viele Ausstellerinnen tragen ebenfalls bereits ein Teil von ihr. Selbst nach den heißesten Wochenenden dieses Jahres in Hamburg-Lokstedt und am Travemünder Priwall musste Traudi Vorberg zurück nach Belgien fahren, um neue Kollektionen für ihre Folgemärkte zu holen. "Wo finden wir Sie das nächste Mal", fragten ihre Kundinnen. Wir geben deshalb im Internet ihre Adresse bekannt (auf der Fotoseite), damit sie über das Internet Bestellungen ihrer neuen Kundinnen entgegen nehmen kann.
Marion Eggert DAVIDAN Mode & Design
Marion Eggert DAVIDAN Mode & Design aus Lüdinghausen begeisterte ebenfalls mit Damen - und Kindermode und Accessoires ihre Kunden. Auch sie konnte sich auf dem Husumer Kunsthandwerkermarkt über ihre Umsatzerfolge im Norden freuen. Neben einer farbenfrohen Herbstmode punktete sie mit hochwertiger Kinderkleidung. Schon als Kind hatte sich Marion Eggert in Theatergarderoben und im Kostümfundus wohl gefühlt. Ihre Mutter war Kostümbildnerin und schon sehr früh stand für Marion Eggert fest: DAS wollte sie auch! Mode aus feinen Stoffen, schönen Farben und außergewöhnlichen Schnitten. Nicht die Schauspieler wie ihre berühmte Schwester CHRISTINE WODETZKY, sondern Menschen wie Du und ich wollte sie einkleiden. Hierzu inspiriert sie auch heute noch die Natur, Museen und Kunstgalerien. Marion Eggert entwirft Kinder- und Damenmode vorwiegend in Naturmaterialien und damit hautverträglich für ihre Träger. Denn Kleidung ist die zweite Haut des Menschen und mit ihr muss man aufmerksam und pfleglich umgehen. Ihre Mode gehört zur "Wohlfühlmode", die sich angenehm trägt, außergewöhnlich ist und vor allem bezahlbar. Darüber hinaus begann Marion Eggert vor elf Jahren auch Kleidung für Rollstuhlkinder- und Rollstuhlerwachsene anzufertigen. Diese wird speziell nach Maß genäht und von Seiten der Kunden mit dankbarem Erfolg angenommen. In ihrem Atelier im münsterländischen Lüdinghausen entwirft und fertigt sie ihre Modelle und dort entstehen Marion Eggerts Unikate in Sachen Mode.
Filzerin Nanette Mende aus Nordstrand
Über Lolou Etoile aus Hamburg haben wir bereits in der Vergangenheit berichtet. Auch sie traf selbst bei heißestem Wetter in Hamburg-Lokstedt ihre Kundinnen und punktete im Husumer Seitenflügel des Schlosses mit femininer Mode. Eva Hoffstedde aus Moers kann gar nicht so viel nähen wie von ihren Kunden verlangt wird. Brigitte Tschoepe aus Bad Oldesloe verkaufte wieder sehr gut ihre bunten Filzkappen aus Kirgistan und auch die Filzerin Nanette Mende aus Nordstrand strahlte in Husum.
Dietger Krause aus Bad Bevensen
Kommen wir zum Thema Schmuck. Es gibt sie noch auf unseren Märkten, die Handwerker, die Ringe enger, weiter machen oder neu gestalten. Dietger Krause aus Bad Bevensen ist so einer, und der Erfolg läuft hinter ihm her. Er arbeitet so erfolgreich, das er jetzt seinen festen Arbeitsplatz im Krankenhaus endgültig gekündigt hat. "Entweder - oder", lautet seine Devise. Am Freitag und Sonnabend kauften die Kunden Schmuck - am Sonntag gaben sie ausschließlich Änderungen in Auftrag. Dietger Krauses größter Erfolg ist zurzeit ein neuer individueller Ring mit oder ohne Steine, der über zwei Finger gesteckt wird. Sehr interessant und gut zu tragen. Doch auch Cornelia Wehrle mit ihrem Mann aus Frankreich kann sich vom Norden nicht trennen. Beide fahren "kurz" nach Hause und kommen zu den Husumer Kunsthandwerker Tagen auf dem Marktplatz vom 20. - 22. August wieder zurück.
Stand von Ehepaar Wehrle
Dagmar Böhnes Stand mit dekorativen und selbst hergestellten Seifen war immer am Ende unserer Märkte fast wie leer gefegt. Ohne ein Stück Seife kam kaum ein Tourist an Dagmar Böhnes Stand vorbei. Ich kenne keine so beredte unnachgiebige Verkäuferin in Sachen Seife wie Sabine Boss - Stahl von Dagmar Böhne.
Große Zustimmung fand bei unseren Besuchern unser kostenloses pädagogisches Kinder-Mitmach-Programm. Eltern und Kinder konnten unter Fachanleitung miteinander bauen und spielen.
Kunsthandwerkliches Kinderprogramm
Als ich spät abends noch einmal auf den Schlosshof kam, um die Türen der Innenräume abzuschließen, dröhnte Hollys Reggaemusik über den Schlosshof und viele Aussteller lagen sich in den Armen ..........und tschüs bis zum nächsten Mal.
Es war wieder einmal ein gutes Wochenende.
Zum professionellen Geschäft gehören jedoch auch die schlechteren Tage - mal für den einen - mal für den anderen. Auch das, was für den Veranstalter manchmal nicht so glücklich läuft, gehört zu seinem Geschäft wie die Schreibmaschine früher zur Sekretärin. Wer damit nicht umgehen kann, sollte sich eine andere Aufgabe suchen. Es kommt immer darauf an, aus welchem Blickwinkel man die Welt betrachtet. Man trifft alle Entscheidungen für sich selber. Die Konsequenz dafür oder auch ihre Unterlassung ist eine persönliche und nicht die eines anderen. Deshalb kann man einem Dritten nie die Konsequenz für seine Entscheidung anlasten - auch dann nicht, wenn man von dem Ergebnis noch so enttäuscht ist. In dem Fall hat man sich leider selbst getäuscht. Aber ist das schlimm? Das gehört zu unserer Entwicklung und auch zu unserer Selbstverwirklichung bis hin zur Kreativität. Kein Veranstalter kann es jedem Aussteller recht machen. Muss er auch nicht. Denn der Aussteller hat die Möglichkeit, sich jede Woche neu für einen zu ihm oder seinem Angebot idealeren Veranstalter zu entscheiden. Auch der Veranstalter kann jede Woche neu entscheiden für welchen Aussteller er arbeiten möchte oder eben auch nicht. Dieses Privileg gibt es in keiner Branche. Ich weiß, wovon ich schreibe, denn ich habe neben meiner dreißigjährigen Marktorganisation vierzig Jahre parallel als Angestellte gearbeitet. Ich gehöre zu den ältesten Veranstalterinnen in Deutschland und habe schon 1980 Kunsthandwerkermärkte organisiert als es in Deutschland kaum welche gab. Feuer wie in Russland kann zerstören, aber Feuer im Kamin gemütlich wärmen. Feuer ist weder gut noch schlecht. Es kommt darauf an, wozu es dient. Unsere Märkte sind weder gut noch schlecht. Es kommt einzig allein darauf an, wozu sie uns dienen. Auf einem umsatzschwachen Markt können Kontakte entstehen, die später zu Wohlstand verhelfen oder es entstehen Freundschaften fürs Leben. Wir müssen uns unsere Märkte nicht schön schreiben - sie sind einmalig wie sie sind mit all ihren Problemen und Facetten. Wenn es anders wäre, hätte ich mich spätestens ab Montag in Westerland für ein anderes Leben entschieden.
Ihre
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