Elke Baum
Veranstaltungs- und Kunsthandwerker-Agentur
Theodor-Storm-Straße 8
22946 Trittau
Nur wer sieht, kann kaufen
Viele Veranstalter sind der Meinung man müsse das Sehpublikum vom Kaufpublikum durch Eintrittsgelder auf den Veranstaltungen ausgrenzen. Doch wer gibt die Garantie, dass Besucher, die Eintrittsgelder bezahlen tatsächlich kaufen? Es wird von fremden Veranstaltern kritisiert, dass der Trittauer Kunsthandwerkermarkt zum Erntedank zu voll sei. Das sei der zweite Grund, Eintritt zu nehmen.
Erika Ryll aus Trittau würde dazu sagen: "Das geht Sie gar nix an!"
Es geht andere Veranstalter so lange nichts an, wie es mehr gute Kunsthandwerker
gibt, die leider keinen Platz mehr bekommen, weil nicht mehr Standfläche
vorhanden ist. Es geht alle so lange nichts an, wie die Besucherzahlen
stimmen.
Es geht alle so lange nichts an, wie ich auch ohne Eintrittsgelder meine Rechnungen
bezahlen kann. Und wenn das alles nicht mehr stimmt, dann geht es immer noch
mich selber etwas an.
Oder kommen dann die Ungefragten und helfen mir?
Dazu folgende Antwort zu dem Leserbrief von Nora Diop-Rausche, Brüggen in M & T Märkte Messen Events Ausgabe September 2004 Seite 10
Sehr geehrte Frau Diop-Rausche,
zu Ihrem Leserbrief in Heft 40 von M&T möchte ich mich nun
doch zu Wort melden, da Sie mich in Ihren Ausführungen namentlich
nennen. Zitat: "Es ist übrigens kein Qualitätsmerkmal
50.000 Besucher (Elke Baum) anzugeben, die in der Regel nur Sehleute
sind und den Ausstellern wenig nützen. Gute Veranstaltungen sind
in der Regel nur mit Eintrittsgeld zu realisieren."
( Ich kenne auch schlechte Veranstaltungen mit Eintrittsgeld und sehr
gute wie das Klosterfest in Cismar ohne Eintrittsgeld mit 80.000 Besuchern
jährlich.)
Fakt ist: Der Trittauer Kunsthandwerkermarkt ist in den Nachmittagsstunden
zu stark besucht.
Darüber hatte sich bereits vor zwei Jahren Veranstalterin Ursula Busch
aus Glinde in M&T beschwert.
Sollte ich die Hälfte der Besucher nach Hause schicken?
Trittau hat 7.500 Einwohner, d.h. ob 40 oder 50 tausend Menschen, es
kommen fast alle mit dem Auto. Glaubt einer im Ernst, dass Tausende
von Menschen sich jedes Jahr - oft von weither - ins Auto setzen,
teures Benzin bezahlen, um nach Trittau zu fahren, keinen Parkplatz
bekommen und weite Wege zu Fuß laufen müssen, um einen belanglosen
Markt zu besuchen?
Der Kunsthandwerkermarkt findet dieses Jahr zum 24. Mal statt. Es liegen
mir Jahr für Jahr mehr Bewerbungen von Kunsthandwerkern vor als
ich aufnehmen kann. Es geht hier um einzelne Meter. Für wie einfältig
werden meine Kunsthandwerker gehalten, die z.T. jedes Jahr aus Holland
und Süddeutschland anreisen, hohe Benzin- und Übernachtungskosten
aufbringen müssen, um jedes Jahr festzustellen, es kommen nur Sehleute.
Trotzdem kommen sie aber immer wieder? Wissen Sie eigentlich, dass der
Kreis Stormarn deutschlandweit - das ist statistisch belegt - an oberster
Stelle mit den höchsten Einkommen steht, dass z.B. Großhansdorf
( 15 Minuten von uns entfernt ) das reichste Dorf Deutschlands ist und
wir in Trittau glücklicherweise im Speckgürtel von Hamburg
liegen? (Siehe
Bericht Ahrensburger Zeitung vom 28. Juli 2004)
Ich glaube nicht, dass Ihre Kritik berechtigt ist, nur weil ich kein Eintrittsgeld
nehme.
Stellen Sie sich bitte meine Einnahmen nur bei einem Eintritt von 1,00
Euro pro Person vor. Ich hätte das gesamte Jahr finanziell ausgesorgt.
Viele mögen das für kaufmännisch ignorant oder auch dumm
halten, aber ich habe meine Gründe dafür - und meine Überzeugung.
Ich habe den Trittauer Kunsthandwerkermarkt 17 Jahre ehrenamtlich geführt,
warum sollte ich jetzt "Sehleute" diskriminieren? Wer sagt
Ihnen eigentlich, dass Besucher, die Eintritt bezahlen auch kaufen?
Auf dem Kunsthandwerkermarkt auf Gut Basthorst wird auch Eintritt genommen
und trotzdem beschweren sich die Kunsthandwerker wie in M&T zu lesen
ist, dass sie keine Umsätze machen.
Glauben Sie, dass ich, um bei Ihnen Kerzen zu kaufen, Eintritt bezahlen möchte,
wenn es Kerzen bei Aldi im Sonderangebot gibt? Selbst wenn diese selber gezogen
worden sind. Muss ich z.B. Günther Fielmann, Besucher des Kunsthandwerkermarktes
in Trittau, Eintritt abnehmen, damit er kauft? Darf er nicht nur schauen? Wenn
ich zu Fielmann gehe, zahle ich auch keinen Eintritt, wenn ich mir eine Brille
anschaue. Wenn mir keine Brille gefällt, gehe ich aus dem Laden. So elitär,
dass man Eintritt zahlen müsste, um Kunsthandwerk zu kaufen, ist kein Kunsthandwerkermarkt
in einer Zeit wo "BILLIG GEIL" ist.
In ein paar Jahren werden Kunsthandwerkermärkte - wenn sie nicht
aufgemischt werden - zu Seniorenveranstaltungen, wo die Besucher Eintritt
bezahlen, aber nichts kaufen, weil ihre Schränke voll sind.
Nicht jeder Besucher möchte für den Bänkelsänger
oder das ihm vorgesetzte Rahmenprogramm Eintritt zahlen. Vielleicht
möchte der abgenervte Banker lieber bei leiser Hintergrundmusik
sein Bier in Ruhe genießen, während sich seine Gattin ein
hochwertiges Leinenkleid gönnt.
(Interessant hierzu ist auch der Leserbrief des erfahrenen Marktteilnehmers Lothar Kastens den Sie hier lesen können.)
Meine Aussteller und ich freuen uns auf jeden Besucher. Wer heute sieht, kauft,
wenn nicht heute, vielleicht morgen oder beim nächsten Mal. Selbst wenn
sich der Besucher nur ein Brot beim "Mittelalterlichen Bäcker"
leistet, freut er sich und der Bäcker ebenfalls. Viele Aussteller haben
hier einen Kundenkreis aufgebaut, die jedes Jahr ein Teil zukaufen, wie z.B.
bei Monika Franz aus Berlin (Strickmoden).
In diesem Jahr spielt auf dem Kunsthandwerkermarkt auf der "Waldbühne"
die Band "Seven T's" Blues und Rock der 70er Jahre - ohne dass es
die Kunsthandwerker im Verkaufsgespräch stört.
Jetzt geht wieder ein Aufschrei durch die Szene
nicht nur
Sehleute sind in Trittau erwünscht sondern auch Musikfans. Sie
alle sind eventuelle Kunden von morgen
.. denn im nächsten
Jahr gibt es den Trittauer Kunsthandwerkermarkt ein viertel Jahrhundert
lang
..ohne Eintrittsgeld, wo es viel zu sehen, kaufen, riechen,
schmecken und zu hören gibt. Das macht diese Veranstaltung auch
nach 24 Jahren so populär
und stellen Sie sich bitte vor
.. keiner vermisst hier das Eintrittsgeld oder Parkgebühren.
Herzlich willkommen!!!
Ihre
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