Bilder vom Kunsthandwerkermarkt im Einkaufszentrum Weserpark in Bremen im November 2007
Dichtes Gedränge am Einkaufszentrum Weserpark unter dem Glasdach vor dem Eingang.
Kunsthandwerkermarkt unter dem Glasdach vor dem Eingang im Einkaufszentrum Weserpark in Bremen.
Kunsthandwerkermarkt im Weserpark Bremen
Puppen lebensecht...
Der Kettensägeschnitzer und sein Publikum im respektvollen Abstand vor dem Weserpark unter dem Glasdach.
Nostalgie pur - der Scherenschleifer mit seinem schönen Karren.
Immer ein Eisen im Feuer - der Schmied.
Bunte Sachen aus Holz - für die Kinder.
Futterglocken für die Vögel im Weserpark.
Attraktiver Innenbereich im Weserpark.
Tolles Holzspielzeug im Weserpark.
Wir alle leben am freien Sonntag von der gesellschaftlichen Unfähigkeit der Menschen: Nichts zu tun, nichts zu kaufen, nichts Teures und Aufwendiges zu unternehmen. Der Mensch braucht am Wochenende eine kollektive Freizeitgestaltung. Und da schnappen wir zu.
In den letzten Jahren hat sich in Deutschland viel verändert. Schweren Herzens mussten wir uns alle von lieb gewonnenen sozialen Leistungen trennen, die nicht mehr bezahlbar waren. Man sprach von Modernisierung unserer Wirtschaft, Wandel, Neuerungen, Globalisierung. In einem Satz: Deutschland musste auf Kosten der Bevölkerung abspecken. Nur wir auf unseren Märkten wandeln uns ungern - geschweige denn wir specken ab. Wir halten uns bevorzugt an unsere Erfolgsrezepte - und Zahlen möglichst von 1980 fest und vergleichen sie - wenn wir in die Jahre gekommen sind - ab 1980 bis 2000. Hier sprechen wir nicht von den großen Traditionsmärkten, die heute immer noch zehntausende Menschen anziehen. Wir sprechen von den vielen kleinen Märkten und Events.
Es mutet engstirnig an, den Wandel der Wirtschaft zu ignorieren. Es ist unsinnig, wenn Veranstalter auf andere schielen oder ihnen gar noch nacheifern. Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Veranstalter nutzen das gleiche Material - nämlich ein begrenztes Ausstellerpotential. Veranstalter haben keinen teuren Lagerbestand wie die Kunsthandwerker und Händler, der unter die Leute gebracht werden muss und überaltern kann. Wenn Veranstalter am Jahresende Gewinne bilanzieren wollen, müssen sie entweder Veranstaltungen mit Eintritt organisieren oder an Werbung und Rahmenprogramm sparen. Sie können aber auch auf beides verzichten und viele kleine Veranstaltungen organisieren, um damit auf einen akzeptablen Einkommensdurchschnitt zu kommen - solange ihnen die Aussteller treu bleiben. Hier beginnt die Jagd. Was versprechen Veranstalter ihnen, wie präsentieren sie sich mit ihren Mitarbeitern. Sind sie authentisch oder verheißen sie ihnen Erfolge, an den sie selber nicht glauben. Auf was setzen sie? Wo, wann und wie setzen sie ihre Veranstaltungstermine? Denken sie nur an ihre eigene Kasse? Fragen über Fragen. Mit welchen Rücklagen können Veranstalter gut schlafen? Wie viel Kapital brauchen Gewerbetreibende - auch die professionellen Kunsthandwerker sind Gewerbetreibende - für ihren neuen Wareneinsatz. Wie hoch muss das monatliche Einkommen sein, um den Verpflichtungen nachkommen zu können. Heute kann eine Exelliste für das gesamte Jahr verdeutlichen, wie viel Kapital in welchem Monat für das Privatleben und für die Firma benötigt wird. Wer nur 100,00 Euro pro Monat in einen Fond zahlt, bekommt bereits nach 15 Jahren eine hübsche Summe zusammen, die in Notzeiten sehr nützlich sein kann. Hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Sagen Sie jetzt nicht: "Oh, Gott, so lange" .... ich garantiere Ihnen, die Jahre vergehen wie ein Husch.
Es ist immer wieder zu beobachten, dass Veranstalter und Aussteller irgend jemanden für ihre eigene Unzufriedenheit und Unzulänglichkeit die Schuld geben. Ich kenne Schausteller, die ein Vermögen verdient hatten und sich dann in einer Art Großmannssucht bei großen Projekten verspekulierten. Dafür kann jetzt aber kein Veranstalter, dass sie wieder klein anfangen müssen in einer wesentlich schwierigeren Zeit.
Als aktuellstes Beispiel mein Kunsthandwerkermarkt am 3. und 4. November 07 im Weserpark in Bremen - Osterholz.
Der Weserpark ist das zweitgrößte Einkaufszentrum Deutschlands mit Flair in transparent lichtdurchfluteten Hallen. Alle 120 Geschäfte müssen hohe Mieten zahlen. Für mehr als 30. 000 Euro Werbekosten ging der Weserpark ausschließlich für den Kunsthandwerkermarkt für 30 Kunsthandwerker mit geöffnetem Sonntag in die Werbung. Kunsthandwerker, die vorführten und nicht verkaufen konnten, bekamen ein Honorar. Aufgrund des Themas Kunsthandwerk öffnete der Weserpark am Sonntag sein Zentrum und bewarb den Kunsthandwerkermarkt im Radio und in den Tagszeitungen mit redaktionellen Texten und Fotos. Die Aussteller im Weserpark bekamen einheitliche, herbstlich dekorierte Tische zur Verfügung gestellt. Die vorführenden Kunsthandwerker standen vor einem der Eingänge des Weserparkes unter einem Glasdach. Jeder Aussteller wusste, dass er mitten in einem der attraktivsten Einkaufzentren Deutschlands für 150,00 Euro das Wochenende einschl. Strom und aller Annehmlichkeiten stand. Schätzungsweise 90 000 Besucher kamen am Sonnabend und Sonntag in den Weserpark. Einige Kunsthandwerker waren vom Verkauf so überfordert, dass es sie nicht einmal störte, dass Besucher von ihrer Ware heimlich etwas einsteckten. Viele schafften kaum den Verkauf, weil sie mit dieser Besucherzahl nicht gerechnet hatten. Obwohl sie in Konkurrenz mit 120 Geschäften standen, erlebten sie traumhafte Umsätze.
Trotzdem meinten zwei Bremer Kunsthandwerkerinnen, Bremen sei keine einkommensstarke Region und beklagten ihren Umsatz.
Ich frage mich, wo lebe ich? Während die Geschäftsleute 30 000 Euro für dieses Wochenende an Werbung und hohe Ladenmieten und Personalkosten zu zahlen hatten, konnte der Kunsthandwerker für 150,00 Euro an diesem starken Verkaufswochenende teilnehmen. Wo will ich dann noch meine Ware anbieten, wenn ich selbst bei dieser Besucherzahl unzufrieden bin? Übrigens, die Geschäfte im Weserpark waren an diesem Wochenende sehr zufrieden. Ist man als Kunsthandwerker nicht ein wenig vermessen und unkritisch in seinem Anspruch?
Fakt war doch: Man hatte einfach nicht die richtige Ware am richtigen Ort. Nicht mehr und nicht weniger.
Dafür gibt es keine Schuldigen .... ausnahmsweise muss sich hier nicht einmal der Veranstalter zum Sündenbock reden lassen.
Als Veranstalterin im Norden Deutschlands muss ich mir darüber im Klaren sein, dass viele Aussteller, die noch vor Jahren vom Süden selbstverständlich im Frühjahr zu meinen Veranstaltungen in den Norden fuhren, sich bei diesen extrem hohen Benzinkosten bevorzugt 2008 einen Markt in ihrer Nähe suchen werden. Würde ich doch auch machen. Wenn Hamburg einen verkaufsoffenen Sonntag hat - zusätzlich vielleicht noch Lübeck - dann fehlen viele Besucher auf den Stormarner Märkten - mag der Markt noch so attraktiv und gut beworben sein. Das ist Fakt, da brauche ich keinem anderen die Schuld zu geben. Hier gilt es zu akzeptieren, dass sich die Ladenschlussgesetze zu ungunsten der Märkte verändert haben. Wenn die Weihnachtsmärkte in Zukunft bis in den Januar geöffnet haben wie z.T. in Berlin und Hamburg - dann wird auf den folgenden frühen Kunsthandwerkermärkten weniger gekauft werden. Das hat nichts mit dem Veranstalter oder Aussteller zu tun. Nein, mit der Verlängerung der Weihnachtsmärkte. Die langen Öffnungszeiten der Geschäfte am Sonnabend haben deutschlandweit vielen Märkten große Einbußen gebracht. Wer zu jeder Zeit alles erleben und kaufen kann, muss nicht mehr auf einen Markt gehen. Als die Wochenmärkte noch spezielle Ware anboten, hatten sie volle Märkte. Jetzt bieten einige Discounter und Edeka-Märkte frisches Gemüse, Obst und ebenfalls die Spezialitäten an, die früher nur auf den Wochenmärkten zu finden waren. Dazu alles unter einem geschützten Dach. Es sind die wirtschaftlichen Veränderungen, die uns auf den Märkten zu schaffen machen. Auf keinen Fall der Wettbewerb zwischen Veranstalter X und Y im Kreis Stormarn oder anderswo. Auch der Aussteller muss wissen, dass sein Kunde alles überall, zu jeder Uhrzeit bekommt und oft billiger in einer Zeit, wo die Menschen mit steigenden hohen Lebensunterhalts- und extrem hohen Energiekosten zu kämpfen haben. Veranstalterinnen, die hier im Kreis Stormarn empfehlenswerte Kunsthandwerkermärkte mit hundert Kunsthandwerkern seit Jahren anbieten, lassen hinter jedem Stand einen Hinweis mit dem Vermerk "in Handarbeit" anbringen.
Natürlich kenne ich die meisten Aussteller. Wenn dann vor dem "in Handarbeit" Hinweis am Stand reine Händler aus Berlin sitzen, frage ich mich, warum die Veranstalterin nicht zu ihrer Entscheidung steht, in begrenztem Maße Händlerware zuzulassen. Entweder sie verbietet Handelsware grundsätzlich und lässt auch keinen einzigen Händler ausstellen wie eine Veranstalterin in Westdeutschland. Diese hat auf ihrem Weihnachtsmarkt im Schloss jeden Kunsthandwerker, der Handelsware auf den Tisch legte, sofort abbauen und die entstandene Standlücke so stehen lassen. Ein mühseliger Gang. Heute hat sie 180 Kunsthandwerker ohne Handelsware auf ihrem Weihnachtsmarkt und mehr Bewerbungen als sie annehmen kann. Aber ich werbe nicht mit "Handarbeit" für Handelsware. Auch der Händler muss sich nicht verstecken, denn er zahlt genauso wie die Kunsthandwerker für diese Veranstaltung Standgeld. Warum kann er nicht ehrlich zu dem stehen, was er anbietet? Es kommt doch heraus. Um diesen unsäglichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, hat das traditionelle Klosterfest in Cismar auf seinen Plakaten Kunsthandwerker - Kunsthandel stehen, obwohl sich der Handel auch hier sehr in Grenzen hält.
An dieser Stelle sollen jedoch nicht die unterschiedlichen Veranstaltungsformen diskutiert werden, sondern die Unfähigkeit, die Verantwortung - in diesem Fall für Handelsware - zu übernehmen und dazu zu stehen. Gleich für was und wen ich mich entscheide, die Verantwortung habe ich in jedem Fall selber zu tragen und kein anderer.
Ich z.B. habe ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Das war schlicht weg viele Jahre verkehrt und unsinnig. Erst als die Trittauer Gemeindeverwaltung mir 2004 das kulturelle Programm für die Wassermühle übertrug, traute ich mich von einem auf den anderen Tag in meiner Firma als Angestellte zu kündigen. Ich hätte es viel früher wagen sollen. Aber ich wollte mich finanziell nicht von meinen Veranstaltungen abhängig machen. Erst einmal hatte ich mir meine Büroausstattung und die Computeranlage als Veranstalterin verdient. Mein privates Gehaltskonto wurde nie von Firmenausgaben oder Einnahmen berührt. Das hatte zur Folge, dass ich zu jeder Zeit mit meinem Einkommen als Veranstalterin zufrieden war. Auf der einen Seite das Gehalt mit fast 50 % Abzügen bei Steuerklasse 5 ausgezahlt und auf der anderen Seite das Einkommen der Veranstalterin. Bis heute sehe ich deshalb meine Einnahmen und Ausgaben aus meiner Firma sehr realistisch und vergleiche sie mit meinem früheren Gehalt als Angestellte. Ich wundere mich immer wieder, mit welchen Entschuldigungen das "Nicht so gut Gelingen" oder "es bleibt nichts übrig" bei anderen Mechanismen als bei sich selber gesucht wird und über die Unfähigkeit, die gegenwärtige Situation und wirtschaftliche Entwicklung im Lande zu beobachten. Dann wüsste man, dass sich im Zuge des allgemeinen Wandels etwas verändern muss als Veranstalter und Aussteller.
Warum begeben sich schätzungsweise 90 000 Menschen an ihrem freien Wochenende in einen kommerziellen Einkaufstempel?
Weil wir alle am freien Sonntag von der gesellschaftlichen Unfähigkeit der Menschen leben: Nichts zu tun, nichts zu kaufen, nichts Teures und Aufwendiges zu unternehmen. Der Mensch braucht am Wochenende eine kollektive Freizeitgestaltung. Da schnappen wir zu.
Wozu wird das führen? Richtig. Es werden immer mehr Geschäfte und große Städte am Sonntag ihre Geschäfte öffnen. Dann wird es für kleine Kunsthandwerkermärkte mit einem begrenzten Werbeetat noch schwieriger, Besucher aufs platte Land zu ziehen, wenn sie im Einzugsgebiet großer Städte liegen. Das Erlebnis wird in die Stadt geholt - so wie die Werbegemeinschaften die Menschen mit ihren riesigen Weihnachtsmärkten und Weihnachtsattraktionen in ihre Städte locken. Hier werden keine Kosten für Werbung gescheut, denn die kommen über die Besuchermassen als klingende Kassen wieder herein. Diese Entwicklung begann jedoch nicht erst heute. Kunsthandwerker sind nicht nur Handwerker, sondern auch Verkäufer. Für Veranstalter und Aussteller sind hier Situationslösungen gefragt. Kunsthandwerker und deren Veranstalter müssen sich in Zukunft diesen neuen Herausforderungen stellen oder weiter von 1980 und abgelaufenen Jahren träumen.
Ihre
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