Eine Figur entsteht
Geschafft: Eine moderne Skulptur
Fotos © Jörg Bäßler
Heute:
der Holzbildhauer und Kettensägeschnitzer
Elke Baum:
Hallo Jörg, Sie kommen aus dem Erzgebirge. Das klingt für uns Norddeutsche so, als würde man dort schon mit der Kettensäge im Arm geboren. Wie war das bei Ihnen?
Jörg Bäßler:
Richtig, ich komme aus dem schönen Erzgebirge. Aber dort wird man eher mit dem Schnitzmesser in der Hand geboren. Bei mir hatte es allerdings ein bisschen länger gedauert, der Grundstein zur Schnitzerei würde erst mit 23 Jahren gelegt.
So wie Künstler halt sind, es dauert seine Zeit.
Wie haben Sie das gelernt, was Sie heute machen. Sie sind ja nicht nur mit der Kettensäge unterwegs.
Stimmt. Also ursprünglich bin ich gelernter Schornsteinfeger. Da ich mich aber immer schon für den Werkstoff Holz interessierte, habe ich 1998 eine zweite Lehre als Holzbildhauer begonnen und abgeschlossen. Ich habe buchstäblich mein Hobby zum Beruf gemacht.
Und dann haben Sie gleich die Kettensäge zur Hand genommen...
Oh nein - so war es nicht. Ich war zunächst in einem kleinen "Privatunternehmen" angestellt. Das heißt ich wurde Papa und habe meinem ersten Sohn drei Jahre die Windeln gewechselt. Nach der Geburt meines zweiten Kindes 2003 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit und mein Holzbildhauerleben ging langsam los. Von da an ging die Reise von Markt zu Markt, mal mit mehr mal mit weniger Erfolg.
Aber dann kam die Säge?
Genau, eigentlich wurde diese Idee aus der Not geboren. Irgendwie fand ich es frustrierend, dass die Leute im Sommer so wenig Interesse an geschnitzten Figuren haben. Auf der einen Seite ist das natürlich verständlich, denn erzgebirgische Schnitzkunst ist immer schon stark mit Weihnachten verbunden gewesen. Andererseits macht es natürlich keinen Spaß, wenn die Leute nicht kaufen. Kaum erschien ich dann mit der Kettensäge, standen die Leute fasziniert um mich herum. Das war es also!
Wie machen Sie das eigentlich - ich meine bevor Sie anfangen zu sägen. Haben Sie da irgendein Konzept oder eine Zeichnung oder sowas?
Nein, keine Zeichnung. (lacht) Ich stehe eine Zeitlang vor dem Baumstamm - so etwa eine halbe Stunde, bis sich eine vage Idee einstellt. Nach und nach entsteht dann ein Bild in meinem Kopf. Ein paar grobe Markierungen am Stamm - Kopf, Mittelteil, Füße und los geht's. Der Rest ist Sägen.
Und ein Höllenlärm...
Ja, das ist leider der Pferdefuß bei der Sache. Die einen lockt es an, die anderen nervt es fürchterlich. Natürlich am meisten die anderen Aussteller. Das kann man ja auch verstehen. Auf den Märkten, die ich besuche, muss es daher klare Absprachen und räumliche Ausweichmöglichkeiten geben.
Sie haben sogar in Amerika gesägt, hab' ich gehört...
Ja, das war ein tolles Erlebnis, ich bin gerade aus den U.S.A. zurück. Von dort stammt übrigens diese Kunstrichtung. Ich habe im Februar in Ridgway/Pennsylvania am Ridgway Chainsaw Carvers Rendezvous teilgenommen. Das ist das weltgrößte Kettensägeschnitzertreffen. Man trifft dort die tollsten Leute aus der ganzen Welt. Und alle mit der Kettensäge. Es gab wahnsinnig viel zu sehen - ein großartiges Spektakel.
Was schnitzen die Amis denn so?
Sehr häufig sieht man Tierfiguren, Bären oder Adler. Die sind sehr beliebt. Viele Teilnehmer sind Forstleute oder aus ähnlichen Berufen. Die sind häufig durch ihre tägliche Arbeit darauf gekommen, mit der Säge etwas mehr zu tun als nur Stämme durchzusägen. Wirklich gelernte Bildhauer trifft man eher seltener.
Und was haben Sie dort den Leuten vorgesägt?
Ich habe einen Menschen geschnitzt - einen amerikanischen Feuerwehrmann. Die Leute waren echt begeistert. Ja, man kann sagen, ich habe mein Metier gefunden. Seit 2004 habe ich endgültig das Schnitzeisen mit der Kettensäge vertauscht. Als Magnetpunkt auf vielen Märkten und Veranstaltungen säge ich mich nun durch das Holz auf dieser Welt. Mein Motto ist Erzgebirge XXL. Auch eine Möglichkeit, wie Tradition weiterleben kann - mit der Kettensäge.
Danke Jörg Bäßler und viel Glück für die Zukunft.
Ihre
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