Der Hut steht ihr gut...
Mit Leidenschaft und Kreativität...
...und solider handwerklicher Erfahrung...
...entsteht ein persönliches Unikat
Blick in den nostalgischen "Putzmacher"-Wagen
Ein individueller Brauthut
Fotos © Yosef Dadon
Heute:
Hutdesigner
Elke Baum:
Hallo Yoshi, wir kennen uns auch schon ein paar Jahre. Sie wohnen jetzt in Krefeld?
Yosef Dadon:
Ja, ich bin gerade dabei, mein neues schönes Atelier fertigzustellen. Da gibt es eine Menge zu tun. Bislang hatte ich bei meinem Freund, einem Fotografen, im Souterrain seines Fotoateliers meine bescheidene Werkstatt. Nun habe ich genug Platz für meine Gerätschaften und meine Kreationen.
Hutdesigner - das hört sich elegant an, aber es ist doch ein richtiges Handwerk?
Ja, natürlich, alles ist Handarbeit. Ich brauche auch eine richtige Werkstatt dazu. Werkzeuge, auch Maschinen, zum Beispiel Nähmaschine, eine Dämpfvorrichtung, Bügeleisen und so weiter. Dazu meine Holzformen, ich habe eine ganze Sammlung...
Wie macht man so einen Hut, ich meine es gibt doch sicher verschiedene Materialien?
So ist es, es gibt eine Fülle an unterschiedlichem Material. Man kann wählen, vom billigen Wollfilz über Haarfilz, der zum Beispiel mit Hasenhaaren gemischt ist bis zu Leder oder auch Samt und Seide. Auch aus Stroh werden bekanntermaßen Hüte gemacht. Beim Material fängt die Kreativität an. Es gehört Leidenschaft und Fantasie dazu, daraus eine individuelle Kopfbedeckung genau passend zu dem Typ anzufertigen. Deshalb ist jeder Hut ein Unikat. Und ich bin ein leidenschaftlicher "Putzmacher", so wurde der Hutmacher früher genannt. Das Wort Kopfputz meint ja auch einen Hut.
Beeindruckend. Woran arbeiten Sie jetzt gerade?
Ach, das ist ganz lustig. In Mailand soll im Sommer ein Bodypainting-Wettbewerb stattfinden. Die Leute sind auf die Idee gekommen, dass die ersten beiden Gewinnerplätze als Preis jeweils eine außergewöhnliche Hutkreation bekommen sollen. Vielleicht ist das dann ja auch das einzige Kleidungsstück..., ich weiß nicht. Jedenfalls werde ich die beiden Damenhüte kreieren. Daran arbeite ich zur Zeit.
Ich fass es nicht.
Wie kommt man überhaupt auf so eine Idee. Wie hat es angefangen? Sie kommen doch eigentlich nicht aus Deutschland, nicht wahr?
Stimmt. Das ist eine längere Geschichte. Eigentlich komme ich aus Israel. Meine Mutter war Schneidermeisterin und hatte dort einen sogenannten Brautsalon. Dadurch war ich seit frühester Jugend in Berührung mit diesem kreativen Handwerk. Die tollen Kopfbedeckungen der Frauen haben meine Fantasie damals schon beflügelt. Mein Leben nahm aber zunächst einen anderen Verlauf. Stellen Sie sich vor: Ich war einmal Bauunternehmer. Um es kurz zu machen, es war nicht meine Welt, es ging einiges schief in Israel und nach einer privaten Trennung bekam ich mitten in meiner Depression von einem alten Freund aus Hannover eine Einladung, einfach mal nach Deutschland zu kommen und abzuspannen. Das war ein Glücksfall, denn ich traf dort eines Tages eine alte Freundin, die als Malerin auf Kunsthandwerkermärkte geht. Diese kreative Anregung hat urplötzlich alte Erinnerungen geweckt und meine Leidenschaft für einen alten Traum war wiederbelebt: Hüte. Durch meine Begeisterung habe ich dann jede Hürde genommen und konnte mir alles selbst beibringen, was ich brauchte. Es waren einfach Talent und tausend Ideen da und so habe ich seitdem einen riesen Spaß, anderen Menschen Hüte zu machen. Und das mit Erfolg. Seitdem bin ich nur noch hier in Deutschland.
Das ist ja unglaublich. Ich habe beobachtet, dass an Ihrem Stand auch immer was los ist. Können Sie denn dort richtige Hüte anfertigen?
Ja, das macht mir gerade so viel Freude. Ich habe alles dabei, was ich brauche. Die Leute werden angelockt von dem, was sich da abspielt. Ich bin sehr kontaktfreudig und erkläre auch alles, was ich tue. Der Beruf des Hutmachers ist ja fast ausgestorben. Beinahe alles ist heute Industrieware. Die Leute auf den Märkten können sich kaum vorstellen, dass das ein unglaublich kreatives Handwerk ist. Es geht so: Es kommt jemand eher zufällig vorbei, bleibt stehen und schaut nur gering interessiert hin. Irgendwas passiert da. Sie oder er schaut ein Weilchen zu. Dann kommt eine Frage. Und noch eine Frage. Ich erkläre und demonstriere. Das Interesse wächst langsam. Jemand fragt, ob man denn auch etwas ganz Individuelles haben könne, etwas, was es nur einmal gibt. Die Antwort: Jeder Hut, den ich mache ist ein Unikat - Ihr Unikat. Die Leute sind dann fasziniert und bleiben manchmal Stunden dabei und schauen zu, wie so eine Kreation entsteht. In manchen Hüten steckt sogar bis zu zwei Tage Arbeit. Das hat dann natürlich auch seinen Preis.
Hört sich hochinteressant an, was Sie da erzählen. Wer ist eigentlich Ihr typischer Kunde. Kann man das sagen, sind das eher Frauen oder auch Männer? Haben Sie in Süddeutschland andere Erfahrungen gemacht als hier im Norden?
Ich bin ja überall in Deutschland unterwegs und es kommen Leute aus allen Gesellschaftsschichten zu mir. Es gibt auch keine regionalen Unterschiede. Auf dem Roncalli-Markt in Hamburg habe ich schon mal erlebt, dass Damen darauf geachtet haben, dass eine Kopfbedeckung auch stärkerem Wind noch standhält, aber sonst habe ich keinen Unterschied festgestellt. Allen gemeinsam ist, dass die persönliche Note eine Rolle spielt. Also genau das, was die Leute hier beim Zuschauen erfahren, dass Hüte etwas ganz und gar Individuelles sind. Deshalb bekommt auch jeder Kunde selbstverständlich eine Typberatung von mir. Oft sind die Leute ganz erstaunt, wenn ich ihnen beweise, wie toll ihnen ein von mir ausgesuchter Huttyp steht. Sie sind dann ganz begeistert und haben viel Spaß daran, an der individuellen Gestaltung der Kreation nach ihren Wünschen mitzuwirken.
Auch Männer?
Ja, ja, es kommen viele Männer. Seit ca. 4 Jahren kommen mehr und mehr Männer. Kürzlich war eine "Honky-Tonk-Gang" bei mir, die hatten so eine Art Western-Club. Für die habe ich ganz besondere amerikanische Hüte aus dem 18. Jahrhundert angefertigt. Das waren richtige Freaks, die genau wussten, was sie wollten. Das haben sie bekommen.
Vielen Dank, Yoshi Dadon, für das Gespräch und viel Glück mit Ihrem schönen Handwerk für die Zukunft.
Ihre
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